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Auch in St. Petronila Münster-Handorf spielen Materialpakete derzeit eine wichtige Rolle

In Pandemiezeiten gibt's die Kirche in der Tüte

  • Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie hat nicht nur das digitale Angebot der Pfarreien an Stellenwert gewonnen, sondern auch ein ganz einfaches analoges.
  • Viele Pfarreien packen Tüten für Gemeindemitglieder.
  • Auch zur Fasten- und Osterzeit in diesem Jahr gibt es vielerorts Angebote für Gottesdienste, kreative und besinnliche Zeiten daheim, etwa in Münster-Handorf.
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Klein, kostengünstig und trotzdem prall gefüllt – die Tüte ist eines der wichtigsten Kommunikationsmittel der Pfarreien in der Corona-Pandemie. Schon während des ersten Lockdowns in der Fasten- und Osterzeit 2020 wurde mit ihrer Hilfe an vielen Orten Kontakt zu den Menschen gehalten. Mal mit Bastelarbeiten gefüllt, mal mit tiefsinnigen Texten, mal mit Kerzen oder Ostereiern. Seither hat sie an Bedeutung nicht verloren: Sie gehört mittlerweile schon zur festen Einrichtung, wenn Corona-Beschränkungen traditionelle Gottesdiente und Gemeinschaftsfeiern verhindern.

In der Pfarrei St. Petronila Münster-Handorf sind die Tüten aus Papier, im Format DIN A5 und sehr beliebt. „Das waren sie von Beginn an“, sagt Pastoralreferent Hans-Dieter Sauer, der die Aktion mit organisiert. „Wir hatten schon zum Osterfest im letzten Jahr 500 Bestellungen.“ Keine schlechte Reichweite unter den etwa 6.000 Gemeindemitgliedern. Wenn man bedenkt, dass hinter jeder Bestellung zwei bis vier Gemeindemitglieder auf die Sendung warteten.

Beliebter Weg durch die Gemeinde

„Die Idee war damals schnell ein gängiges Format“, sagt Sauer. „Anleitungen und Vorschläge gab es zu genüge im Internet.“ Das Resultat begeisterte sowohl Absender wie Empfänger. Bei den gemeinsamen Planungen genoss das Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen die inhaltliche Arbeit, die in der Pandemie sonst schwer war.

Beim Packen der Tüten kam bei den Helfern trotz Mindestabstands und Maskenpflicht ein stark vermisstes Gemeinschaftsgefühl auf. Und der Weg der Boten zu den Haustüren in der Pfarrgemeinde entwickelte sich zu einer beliebten Beschäftigung der verschiedenen Gruppen. „Auch die Messdiener und Pfadfinder waren glücklich, endlich wieder eine Aufgabe an der frischen Luft zu haben.“

Der wichtigste Moment

Der wohl wichtigste Moment aber ist in den Augen von Sauer immer die Situation der Tüten-Übergabe. „Abstellen, klingeln, ein paar Schritte zurücktreten.“ Trotz allen Abstands – die Nähe in diesem Augenblick ist groß.

Ein paar Worte werden gewechselt, manchmal länger gesprochen. „Im Grunde bleiben wir als Gemeinde über diese kleine Papiertüte in Verbindung.“ Jeder, der die Kerze oder den Gebetstext daraus in der Hand hält, kann sich sicher sein, dass das auch andere in Münster-Handorf tun.

Tüten-Format entwickelt sich weiter

Sauer und sein Team haben das Tüten-Format weiterentwickelt – immer dann, wenn die großen Gemeinschaftsgottesdienste durch die Hygiene- und Abstandsregelungen nicht möglich waren. Zu Pfingsten gab es Tüten für die Firmlinge. „Um zu zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben und das gemeinsame Abschlusstreffen vermissten.“

Auch in der Advents- und Weihnachtszeit begleiteten Materialtüten die Menschen im beginnenden zweiten Lockdown. Und zu Beginn der diesjährigen Fastenzeit gab es extra für Familien mit jüngeren Kindern eine Tüte. Darin: Ausmalbilder, die in der Kirche abgegeben werden konnten und zu einem großen Gemeinschaftsbild zusammengefügt wurden.

Drei Tüten-Versionen in der Karwoche

Die Spezialisierung auf einzelne Zielgruppen gehört mittlerweile zum Konzept in St. Petronila. Für die Kar- und Ostertage werden gleich drei Tüten-Versionen angeboten. In der Familientüte landen unter anderem ein Schaschlik-Spieß, Buchsbaum, Geschenkband und eine Anleitung, daraus eine kleinen Palmstock für Palmsonntag zu basteln.

Anders sieht die „moderne Tüte“ aus. Ihre Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene. Impulse und Meditationen werden hier mit Angeboten im Internet verbunden - quasi als Kombination aus analogen und digitalen Materialien.

Bestellungen konstant

Und dann gibt es noch die „klassische Tüte“. „Fürs Mittelalter“, sagt Sauer lachend. „Für die Menschen, die in normalen Zeiten zu den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern zählen.“ Das Angebot für sie ist klassisch: Evangelien-Texte, Gebete, Fürbitten, Lieder und Kerzen. Dass diese zu Ostern auf vielen Tischen in den Häusern der Pfarrgemeinde brennen werden, ist sicher. 400 Bestellungen sind bereits eingegangen.

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