In den Krankenhäusern der Ordensgemeinschaften hat sich viel geändert

Krankenpflege war früher reine Schwesternsache

„Meine Güte, was war das eine Schlepperei“, sagt Schwester Hermenfried. Sie und ihre beiden Mitschwestern müssen lachen. Im Museum im Mutterhaus der Mauritzer Franziskanerinnen in Münster stehen sie vor einer Vitrine mit Gegenstände aus der Krankenpflege vor mehr als 50 Jahren. Eine Waschgarnitur hat ihre Erinnerungen geweckt. „Nach jedem Patienten mussten Kanne und Schüssel gewaschen und befüllt werden“, erklärt Schwester Beatinis. „Und es gab nur ein Waschbecken auf der Station.“

Sie tauchen in eine andere Zeit ein, wenn sie sich an ihren Alltag als Krankenschwestern erinnern, der für sie etwa 1960 begann und erst 40 Jahre später endete. „Jeder Patient wurde im Bett gewaschen“, erzählt Schwester Manuela. „Ob er es wollte oder nicht.“ Es gab feste Abläufe, strikte Regeln und viele Gewohnheiten. Die gibt es heute auch. Und trotzdem war die Atmosphäre auf den Stationen des St.-Franziskus-Hospitals eine andere.

Mit dem Weihwassertöpfchen durch die Krankenzimmer

Das lag vor allem an der Präsenz der Schwestern. „Wir kamen mit unseren Glaubenshintergrund, aus Berufung, mit einem zentralen Anliegen“, sagt Schwester Hermenfried: „Wir wollten für die Kranken da sein.“ Dieser Hintergrund spiegelte sich in vielen Momenten des Pflegealltags wieder. „Morgens und abends gab es das Stationsgebet – Türen auf, Ruhe und alle beteten mit.“ Sie muss Schmunzeln, wenn sie erkennt, wie weit weg die damaligen Gewohnheiten von der heutigen Praxis auf den Krankenhausfluren entfernt waren. „Abends ging eine Schwester mit dem Weihwassertöpfchen durch die Zimmer.“ Keiner konnte sich dem Segen entziehen. Zudem hatte sie eine Kiste mit verschiedenen Tabletten dabei. „Wer braucht Schmerzmittel, wer Schlafmittel, wer Abführmittel?“, wurde gefragt. „Anschließend waren Leib und Seele für die Nacht gerüstet.“


Erinnerungen im Kloster-Museum (von links): Schwester Manuela (78), Schwester Beatinis (84) und Schwester Hermenfried (77). | Foto: Michael Bönte

Wer Mauritzer Franziskanerin werden wollte, wurde auch Krankenschwester. Es gab keine andere Wahl. Klösterliche Ausbildung und Pflege-Ausbildung liefen parallel. Eine Doppelbelastung, die auch nach dem Examen nicht endete. Die Tage hatten zehn Arbeitsstunden, die Woche sieben Arbeitstage. Zusätzlich gab es Gebetszeiten, Vertretungen, nicht selten auch Nachtdienste, gerade an den Betten von Sterbenden.

Zupackende Seelsorgerinnen

„Die Anstrengungen waren groß“, sagt Schwester Beatinis. „Aber wir haben das nicht so wahrgenommen.“ Die Gemeinschaft machte stark. „Wir konnten richtig zupacken, weil wir uns stützten.“ Das mussten sie auch, denn die Arbeit war in vieler Hinsicht belastend. Rollstühle oder bewegliche Betten fehlten. Heben, Stützen, Putzen – körperlich wurde ihnen viel abverlangt. „Zudem waren wir Seelsorgerinnen.“

Darin sehen die drei Ordensschwestern den entscheidenden Unterschied zur heutigen Zeit. „Es war eine ganz andere Ruhe, eine andere Möglichkeit, sich dem Patienten zuzuwenden“, sagt Schwester Manuela. Das Bettenmachen dauerte oft lang. Nicht nur, weil es enorm exakt sein musste. „Kante auf Kante, keine Doppelfalte – das überprüfte die Stationsschwester.“ Auch weil sie oft einige Minuten auf den Bettkanten Platz nahmen. „Die Gespräche, die wir führten, waren wichtiger Teil unserer Arbeit.“

Krankendienst war Gottesdienst

Wenn sie deshalb mal eine Gebetszeit verpassten, war das kein Problem. „Krankendienst ist wie Gottesdienst“, war die Einstellung. Das Seelenleben des Kranken stand über der eigenen Spiritualität. „Wir haben durch Zuwendung geheilt“, sagt Schwester Manuela. „Die medizinischen Mittel waren reduziert – die Möglichkeiten, dem Patienten ganzheitlich zu begegnen, aber viel größer.“

Ganzheitlich hieß, den Lebensweg, den Gefühlen und Sorgen des Kranken in den Blick zu nehmen. Das ging nur, weil keine Dokumentationen notwendig waren, weil die Leistungen nicht auf die Minute abgerechnet werden mussten. „Nach einer Blinddarm-Operation lag man mindestens zwei Wochen im Krankenhaus, heute geschieht das doch fast ambulant“, sagt Schwester Hermenfried. „In den zwei Wochen lernte ich den Patienten so gut kennen, dass ich ihn nur anschauen musste, um zu wissen, welches Essen er vertrug.“ Viel haben sie aus dem Bauch heraus entschieden, erinnert sie sich. „Medizinisch vielleicht nicht alles korrekt, aber menschlich genau richtig.“ Mit den Jahren schwand diese Atmosphäre nach und nach von den Fluren des Franziskus-Hospitals. Was an der gesellschaftlichen Entwicklung lag, sagen die drei Ordensschwestern.

Krankenhäuser haben sich geändert

„Der Geist, den der Orden einbringt, ist bis heute geblieben.“ Aber aus dem Krankenhaus, in dem mehr als 200 Franziskanerinnen die Pflege allein stemmten, ist ein in viele Fachabteilungen spezialisierter, arbeitsteiliger Komplex geworden, in dem weit mehr als 1.000 Pflegekräfte arbeiten.

„Die haben es weitaus schwerer als wir“, sagt Schwester Beatinis. Das scheint mit Blick auf Tarifverträge und Urlaubsregelung schwer nachvollziehbar. Die Schwester bekräftigt das aber: „Wenn wir frei hatten, hatten wir wirklich frei – die Angestellten gehen doch in ihren Familienalltag zurück, haben mit Überstunden und schlechter Bezahlung zu kämpfen – diese Probleme hatten wir nicht.“