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Gemeindeteam beginnt nach Corona-Pause wieder mit besonderer Aktion

Trauern, reden, Kaffee trinken - alles auf Vechtas Friedhof

Die Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt in Vechta nimmt ein junges Projekt wieder auf: den „Treffpunkt“ auf dem Friedhof. Ein Team von sieben Frauen wartet dort auf Menschen, die über ihre Trauer reden wollen.

„Manche machen einen großen Bogen um uns“, sagt Elsbeth Westendorf-Bröring. Sie findet das völlig in Ordnung. „Jeder hat seine eigene Art zu trauern, nicht jeder will darüber reden.“ Solche Menschen kommen also nicht zum Trauercafé auf dem katholischen Friedhof in Vechta. Elsbeth Westendorf-Bröring gehört dort zum Team.

Die Propsteigemeinde Mariä Himmelfahrt in Vechta hat das Projekt als „Treffpunkt Friedhof“ vor einem Jahr begonnen, als eine Aktion des Sozialausschusses im Pfarreirat, an jedem zweiten Donnerstag im Monat. Nach einer Unterbrechung durch die Corona-Pandemie wollen sich die Frauen am 13. August wieder auf den Friedhof stellen.

Stehtisch, Thermoskannen und zwei Frauen

Ein siebenköpfiges Team wechselt sich ab, immer zwei  warten ab 16 Uhr an einem Stehtisch mit Geschirr und Thermoskannen. Daran zwei Frauen. Sie warten. Aber sie sprechen auch Menschen an. Menschen, die trauern, die auf dem Weg sind zu einem Grab. Manche suchen geradezu das Gespräch. Elisabeth Richardsen hat sich an diesen Tagen immer wieder zu Zweiergesprächen zurückgezogen, zu „tiefen und traurigen Gesprächen“, wie sie berichtet.

Dabei gehört die 52-jährige Krankenschwester gar nicht zu dem Team, das im Sozialausschuss die Idee entwickelte. Als die aber im Pfarreirat zur Sprache kam, habe sie sich sofort für die Mitarbeit gemeldet. „Wenn ich in der Gemeinde etwas bewegen kann, dann will ich es hier bewegen“, so beschreibt sie ihr Motiv. Für die Gemeinde sei das „eine sehr wichtige Aufgabe“.

„Sie wollen einfach reden“

Elisabeth Richardsen hat früher in der Notaufnahme eines Krankenhauses gearbeitet; „ich hatte also schon eine gewisse Nähe zum Thema“. Dem Thema Tod musste sie sich täglich stellen. Für sie war es deshalb auch  selbstverständlich, bei Begräbnissen von Verwandten immer ihre fünf Kinder mitzunehmen, auch wenn manche das nicht verstanden hätten. Bei den Treffen auf dem Friedhof habe sie immer wieder gemerkt, wie wichtig trauernden Menschen solche Gespräche sind. Sie habe viel Vereinsamung erlebt, Menschen, denen niemand zuhören wolle. Oft brauchten diese Menschen noch nicht einmal ein tiefes Gespräch, eine Tasse Kaffee und ein Rat für die beste Grabpflege reiche manchen. „Sie wollen einfach reden.“

Das erlebt auch Liesel Grewe so, Sprecherin im Sozialausschuss. Am Grab selbst wollten Trauernde für sich sein und still. Am Stehtisch mit der Tasse in der Hand sei das dann anders. Manche Frauen in dieser besonderen Gruppe kennen den Friedhof sehr gut, auch von persönlichem Leid. Sie trauern dort auch selbst – an anderen Tagen.

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