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Themenwoche Armut (3) - aus Oldenburg

Treibt die Pandemie mehr Menschen in die Schuldenfalle, Frau Schrotz?

  • Die Schuldnerberatungen registrieren einen vermehrten Beratungsbedarf.
  • Das merkt auch Daniela Schrotz, Beraterin beim Caritasverband Oldenburg-Ammerland.
  • Doch liege es nicht nur an der Corona-Pandemie, sondern auch an fehlender Finanzbildung.
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Finanzhilfen sind geflossen, die Mehrwertsteuer wurde gesenkt. Der Staat hat einiges getan, um finanzielle Folgen der Corona-Pandemie zu mildern. Nicht allen hat das geholfen.

Das ist jedenfalls der Eindruck, den Daniela Schrotz gewonnen hat. Sie arbeitet bei der Sozialen Schuldnerberatung im Caritasverband Oldenburg-Ammerland. Ihre Beratungsfälle sind 2020 um acht Prozent auf 155 gestiegen; für das zurückliegende Jahr sei der Anstieg wahrscheinlich noch deutlich höher. Im Schnitt haben ihre Klienten 20.000 Euro Schulden bei 14 Gläubigern.

Alle melden höhere Zahlen

Daniela Schrotz, Schuldnerberaterin der Caritas in Oldenburg, im Beratungsgespräch. | Archivfoto: Caritas Oldenburg
Daniela Schrotz, Schuldnerberaterin der Caritas in Oldenburg, im Beratungsgespräch. | Archivfoto: Caritas Oldenburg

Die Beratungsstellen von Diakonie und Paritätischem Wohlfahrtsverband in Oldenburg melden ebenfalls deutliche Zunahmen. Das niedersächsische Justizministerium spricht von einem Rekordanstieg bei Privatinsolvenzen. Alles eine Folge der Pandemie?

Diese Frage beantwortet Daniela Schrotz „am liebsten mit einem klassischen Jein“. Denn die Pandemie könne nicht alles erklären. Am ehesten noch bei Menschen, die wegen Corona auf einmal in die Kurzarbeit wechseln mussten. Bei vielen waren Finanzprobleme die Folge.

Pandemie verstärkt Probleme

Eher als Verstärker gewirkt habe Corona dagegen bei typischen Problemen von überschuldeten Menschen. Zum Beispiel bei einer Suchterkrankung. Die habe sich bei vielen während der Pandemie deutlich verschärft. Schrotz denkt nicht nur an Alkohol, sondern auch an Spielsucht. Die habe sich „anfangs vielleicht durch Langeweile“ enorm ausgeweitet.

Die Beraterin warnt davor, nur die Pandemie für steigende Beratungszahlen verantwortlich zu machen. Im Laufe der Jahre sei ihr klar geworden, dass bei Klienten vor allem eines fehle: „eine solide finanzielle Allgemeinbildung“. Die müsse eigentlich schon in der Schule vermittelt werden.

Ursachen oft unabhängig von Corona

Schrotz denkt an die Gedankenlosigkeit, mit der viele junge Menschen mit niedrigem Einkommen teure Handy-Verträge abschließen und sich kaum Gedanken machten, wie die Raten zu decken seien. Ähnliches erlebe sie auch bei Menschen mittleren Alters, die ohne Bedenken teure Haushaltsgeräte auf Raten neu kauften. Solche Ursachen seien völlig unabhängig von Corona, betonte Schrotz.

Überschuldung
Von Überschuldung sprechen Fachleute, wenn Menschen ihre Ausgaben mittelfristig nicht mehr durch Einnahmen decken können. Nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform liegt diese Überschuldungsquote bundesweit zurzeit bei rund zehn Prozent. Die Stadt Oldenburg liegt seit 2016 meist bei diesem Wert. Die Stadt Münster und der Kreis Vechta liegen mit rund acht Prozent Überschuldeten darunter, die Stadt Wilhelmshaven mit 17 Prozent deutlich darüber. (fjs)

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