Umfrage unter bundesweit 448 Kliniken

Trotz Reform: Sieben von zehn Krankenhäusern sehen Existenz bedroht

  • Fast 70 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland sehen ihre Existenz gefährdet.
  • Der weit überwiegende Teil sieht die anstehende Krankenhausreform mit großer Skepsis, ergab eine Umfrage unter 448 Kliniken.
  • 44 Prozent der Kliniken rechnen mit Schließungen von Fachabteilungen, 15 Prozent gehen von einer Schließung des Krankenhauses aus.

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Fast 70 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland sehen ihre Existenz gefährdet. Der weit überwiegende Teil blickt pessimistisch in die Zukunft und sieht die anstehende Krankenhausreform mit großer Skepsis, ergab eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) unter 448 Kliniken. Fast jedes zweite befragte Krankenhaus (44 Prozent) rechnet mit Schließungen von Fachabteilungen, 15 Prozent gehen von einer Schließung des Krankenhauses aus.

Besonders dramatisch schätzen die Krankenhäuser ihre wirtschaftliche Perspektive ein. 69 Prozent der Kliniken sehen ihre Existenz kurz- und mittelfristig gefährdet, fast kein Krankenhaus kann seine Ausgaben aus den laufenden Einnahmen decken.

"Leere Versprechen"

Große Zweifel hegen die Kliniken daran, dass die Krankenhausreform in wesentlichen Feldern Verbesserung bringen würde. Nur elf Prozent erwarten, dass sie durch die Krankenhausreform mehr Personal gewinnen können.

Immerhin begrüßt die Mehrheit der Krankenhäuser, dass die Fallpauschalen durch Vorhaltepauschalen ergänzt werden sollen. Keinerlei Hoffnungen setzen die Krankenhäuser in die Versprechen des Bundesgesundheitsministers, die Reform werde für weniger Bürokratie und weniger wirtschaftlichen Leistungsdruck sorgen. Zwei Drittel halten die Ankündigung der "Entökonomisierung" für ein leeres Versprechen, sogar 91 Prozent erwarten keinerlei Entlastung bei der Bürokratie.

Schwierige Personalsituation

Der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß sprach mit Blick auf die Umfrage von einem Weckruf für den Bundesgesundheitsminister. Karl Lauterbach (SPD) müsse die Kliniken mit einem Inflationsausgleich von den extrem gestiegenen Kosten zu entlasten, die sie selbst nicht mehr tragen könnten: "Wir machen uns daher vor allem Sorgen um die kommenden Jahre, in denen die Reform noch nicht greifen wird. Es bleibt fraglich, wie viele Krankenhäuser die Reform unter den jetzigen schweren wirtschaftlichen Bedingungen überhaupt erleben werden."

Auch Gaß zeigte sich skeptisch, dass sich die Personalsituation verbessere. Wenn Krankenhäuser schließen müssten, zögen Pflegekräfte im Regelfall nicht einfach wie ein Wanderzirkus in das nächste große Krankenhaus weiter. "Bisherige Schließungen von Standorten haben gezeigt, dass sich die Pflegekräfte vielmehr neue Arbeitgeber in der Nähe ihres Wohnortes suchen."

"Keine Entbürokratisierung"

An keiner Stelle seien in den Eckpunkten konkrete Maßnahmen zur Entbürokratisierung beschlossen worden, fügte der Verbandschef hinzu. "Pflegekräfte müssen heute drei Stunden ihres Arbeitstages mit Dokumentationsarbeiten verbringen. Das zeigt, welch enormes Arbeitskräftepotential konsequente Entbürokratisierung freisetzen könnte."

Bund und Länder hatten sich Anfang Juli auf Eckpunkte zur Krankenhausreform verständigt. Wesentliche Reformziele sind die Einführung einer Vorhaltefinanzierung, bundeseinheitlicher Leistungsgruppen und Qualitätskriterien für die Krankenhäuser sowie die Umwandlung bestehender, in der Regel kleinerer Häuser in sektorenübergreifende Versorger.