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Leitartikel von Chefredakteur Markus Nolte zum Brief des Vatikans an Bischof Bätzing

Rom stoppt Synodalen Rat: Erwiesenermaßen reformresistent

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Rom zeigt dem Synodalen Weg mit einem Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz erneut ein Stoppschild. Die Art des Vorgehens und der Inhalt des Briefes zeigen aus der Perspektive von Chefredakteur Markus Nolte vor allem eines: Der Vatikan selber hat dringenden Reformbedarf.

Die erneute massive Torpedierung des Synodalen Wegs durch den Vatikan zeigt in frappierender Klarheit, wie reformbedürftig Rom ist – und wie reformresistent. Einmal mehr schreiben just jene Kardinäle einen blauen Brief, mit denen die deutschen Bischöfe noch vor zwei Monaten in Rom heftig über den Synodalen Weg gestritten, sich dann aber synodal auf ein Kommuniqué geeinigt hatten.

Dass jetzt die nächste Klatsche kommt, offenbart, wie unrealistisch es ist, dass ein Machtsys­tem die systemischen Ursachen für Machtmiss­brauch – also sich selbst – beseitigt. Doch der Reihe nach.

Bürokratie-Protokollarismus pur

Die Kurienchefs Parolin, Ladaria und Ouellet nennen als Grund für ihr Schreiben: Der pure Eingang eines Briefs der Bischöfe von Köln, Eichstätt, Augsburg, Passau und Regensburg „erfordert, das Thema des Synodalen Weges erneut aufzugreifen“. Das ist Bürokratie-Protokollarismus par excellence.

Dass diese Bischöfe geschrieben haben, damit der Vatikan ihren Mitbrüdern ordentlich den Marsch bläst, dürfte der eigentliche Hintergrund sein. Rom lässt sich schlichtweg und vermutlich bereitwillig instrumentalisieren.

Theologische Nachhilfe für Bischöfe

Der Vatikan ignoriert die theologische und lehramtliche Autorität der Ortsbischöfe – außer der jener fünf, die gefragt haben, was sie müssen und was sie dürfen. Dass sich 27 Diözesanbischöfe (darunter die fünf) nicht aus Spaß am Streit oder pompöser Dummheit zum Synodalen Weg entschieden haben, sollte auch in der Vorstellungskraft von Kurienchefs denkbar sein.

Doch sie belehren ihre bischöflichen Mitbrüder ausgerechnet über die bischöfliche Autorität und zitieren dazu ausgerechnet den Klassikertext „Lumen Gentium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils. Offenbar setzt Rom nicht einmal die Kenntnis dieses Mag­na-Charta-Dokuments bei den deutschen Bischöfen voraus. Das ist respektlos und zeugt nebenbei von wenig theologischer Kreativität.

Missbrauchstäter: "Männer (darunter Kleriker)"

Wie wenig Rom verstanden hat, warum es den Synodalen Weg gibt und geben muss, zeigt das Vatikan-Schreiben gleich im zweiten Absatz. Da benennen die Kirchenmänner das „abscheuliche Verbrechen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen“.

Deren Täterbeschreibung aber lässt einem das Blut in den Adern gefrieren! Dieser Missbrauch, heißt es da, sei nämlich geschehen „... durch Männer (darunter Kleriker) und Frauen der katholischen Kirche“. Dass diesen Missbrauchsskandal Priester verursacht haben – ein in Klammern zu setzender Grund. Eine Nebensache. Das ist skandalös.

Konzilserschrockene Kurie

Einmal mehr zeigt der Vatikan, wie dringend reformbedürftig er selber, seine Machtstrukturen, das Selbstverständnis der Kurie und letztlich das Papstamt sind – Franziskus hat oft genug darauf hingewiesen. Reaktionen wie diese zum Synodalen Rat erinnern immer mehr an den Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils. Auch da glaubte die Verwaltung überm Petersplatz, die Kirchenwelt regieren und selber definieren zu können, wer wie und wie weit zu reformieren sei oder eher nicht.

Damals haben die Bischöfe der Welt in der Konzilsaula einen Strich durch diese absolutistische Selbstherrlichkeit gemacht – unterstützt von klugen Theologen nicht zuletzt aus Deutschland. Der Schrecken scheint bis heute tief zu sitzen in den Amtsstuben des Apostolischen Palastes. Eine Chance mehr, warum es Bischöfen, Theologinnen und Theologen und engagierten Laien gelingen kann und muss, diese Kirche lebendig zu halten.

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