Die Pfarrkirche St. Marien Bad Zwischenahn soll für 850.000 Euro saniert werden

Der grüne Teppich kommt raus aus der Kirche

Diese Kirche ist besonders. St. Marien Bad Zwischenahn ist die einzige Kirche im Oldenburger Land, die einen Teppichboden hat. Seit ihrem Bau vor 50 Jahren.

Diese Kirche muss nun dringend saniert werden. Dazu gehört eine Maßnahme, die im Vergleich wenig kostet, aber besonders auffällt: Der Teppichboden kommt weg. Er wird durch Fliesen ersetzt. Über die Jahrzehnte sei er deutlich abgenutzt, sagt Jutta Steinkamp, hauptamtliche Rechnungsführerin der Gemeinde St. Vincenz Pallotti.

Nichts zu hören in der Kirche

Damit werde aber auch ein besonderes Problem gelöst: In der Kirche mit dem flachen Dach schluckt dieser Teppich fast jeden Schall. „Schon das Blättern im Gebetbuch des Nachbarn ist kaum zu hören“, sagt Jutta Steinkamp. „Wir wünschen uns aber endlich eine klingende Kirche.“ Mit dem klassischen Hall einer Kirche wie anderswo auch.

Denn Chorgesang und Kirchenmusik im klassischen Sinn seien in St. Marien kaum möglich. Selbst der Kirchenchor der Gemeinde singt in der Pfarrkirche selten: zu schlechte Akustik. Die Sänger können ihre Mitsänger wenige Meter entfernt schon nicht mehr hören. Organist und Chorleiter Oliver Ried habe sich oft genug beklagt, berichtet Jutta Steinkamp.

Sie selbst spielt Waldhorn in einem symphonischen Blasorchester. Auftritte in der eigenen Pfarrkirche habe man überlegt. „Funktioniert aber nicht“, sagt sie. „Vom Klang her unmöglich.“

Mehr als zwei Millionen Gäste

Bad Zwischenahn ist ein bekannter Kur- und Ausflugsort am Zwischenahner Meer bei Oldenburg. Offiziellen Angaben zufolge kommen im Jahr mehr als zwei Millionen Tagesgäste in den Ort, mehr als 700.000 Übernachtungen werden verzeichnet. Auch diese Gäste wolle die Gemeinde ansprechen, betont der Pfarrer, Pater Wilhelm Landwehr. Nicht nur mit den Gottesdiensten. Auch an Kirchenkonzerte könne man denken. Wenn diese Musik denn gut zu hören sei.

Aber der neue Teppich macht den kleineren Teil der Kosten aus. Bei den ersten Plänen vor zwei Jahren stellte sich schnell heraus: Elektrik, Lüftung und Heizung müssen erneuert, der Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht werden.

Die Kirche liegt im Obergeschoss

Dazu ist ein neuer Aufzug geplant. Denn der Gottesdienstraum liegt im Obergeschoss, über der Pfarrbücherei und dem Pfarrsaal. Eine Besonderheit im Bistum, ebenso wie mit dem Teppichboden.

Die vorläufige Kostenschätzung des Architekten: 850.000 Euro. Der oldenburgische Kirchensteuerrat hat dafür grünes Licht gegeben und einen Zuschuss von zwei Dritteln der Kosten bewilligt. Damit muss die Pfarrgemeinde noch einen Eigenanteil von etwa 280.000 Euro bezahlen. Das solle vor allem aus Rücklagen geschehen, erklärt Jutta Steinkamp. Die Gemeinde habe über Jahrzehnte dafür gespart. „Jetzt packen wir  es endlich an.“