Jens Joest zum Nahost-Krieg, zum Leid in Gaza und zu einer Perspektive

Israel handelt richtig – obwohl die Hamas zivile Tote einkalkuliert

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Ist es gerechtfertigt, dass Israel nach den Terror-Attacken der Hamas so massiv im Gazastreifen vorgeht? Ja, argumentiert unser Redakteur Jens Joest. Er schaut auch auf die Zeit nach dem aktuellen Krieg in Nahost.

Bilder ziviler Opfer im Gazastreifen werden die Öffentlichkeit in nächster Zeit begleiten, sie zählen zum menschenverachtenden Kalkül der radikalislamischen Hamas. Und halten die Frage wach: Ist Israels Vorgehen gegen die Terroristen moralisch angemessen?

Ja, Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung. Es muss reagieren, wenn Schlächter in israelischen Dörfern Babys, Jugendliche, Frauen, Männer und Alte massakrieren, Menschen entführen.

Hamas trägt Mitschuld an den Kriegstoten in Gaza

Israel muss seine Bevölkerung vor Mordüberfällen schützen und Fanatikern die Möglichkeit nehmen, solche Gräueltaten zu wiederholen. Dass bei Luftschlägen auch Zivilisten leiden, liegt daran, dass die Hamas sie gezielt als menschliche Schutzschilde für militärische Verstecke missbraucht.

Die Terroristen tragen massiv Mitschuld an jedem Opfer im Gazastreifen. Zugleich sollte Israel zivile Tote so weit als möglich vermeiden, humanitäre Hilfe und die Versorgung mit Lebensmitteln im Gazastreifen ermöglichen.

Und nach der Militäraktion?

Das Vorgehen gegen die Hamas wird zunächst Israels ganze Kräfte fordern. Die internationale Gemeinschaft sollte gleichwohl bereits überlegen, wie Terror-Exzesse in Nahost künftig vermieden werden können. Wie also die Palästinenser eine Perspektive gewinnen, die sie nicht erneut in die Arme von Terroristen treibt.

Die Hamas will den Staat Israel vernichten, das jüdische Volk auslöschen. „Tod für Israel“ ist keine Polit-Phrase, sondern Ziel erbarmungslosen Handelns.

Wie ein Nebeneinander gelingen könnte

Damit wird es so rasch kein Miteinander von Israelis und Palästinensern geben, allenfalls ein Nebeneinander. Eines aber, das auch den Palästinensern ein Leben in Würde sichern muss. Nicht als „Belohnung“ für Terror und Mord, sondern als Signal, dass Mäßigung Verbesserungen erreicht.

Solange niemand eine bessere Idee hat, dürfte die Zwei-Staaten-Lösung das Ziel sein. Die allerdings Israels rechtsreligiöse Vorkriegs-Regierung Netanjahu nicht will.

Die Rolle der USA

Nicht unwahrscheinlich aber, dass diese Regierung stürzt, weil der Hamas-Überfall sie doch allzu sehr überrascht hatte. Bei einer möglichen liberaleren Nachkriegs-Regierung hätte die Zwei-Staaten-Lösung wieder eine Chance.

Keine Rolle spielte die Lage der Palästinenser bisher bei der diplomatischen Annährung Israels und der Regionalmacht Saudi-Arabien in jüngerer Zeit. Das muss sich ändern. Die USA, die Einfluss auf beide Länder haben, sollten darauf hinwirken, dass beide Parteien mittelfristig Perspektiven für die friedliebende Mehrheit der Palästinenser mitentwickeln.