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Zum Beispiel: St. Petronilla in Münster-Handorf

#liebegewinnt: Segnungsgottesdienste auch im Bistum Münster

  • In rund 20 Kirchen im Bistum Münster sind gestern Abend im Rahmen der bundesweiten Aktion #liebegewinnt Segnungsgottesdienste unter anderem für homosexuelle Paare gefeiert worden - so auch in St. Petronilla in Münster-Handorf .
  • Pfarrer Jürgen Steuer sieht darin keine Protestaktion, sondern ein Zeichen der Zusage Gottes an alle Menschen, egal mit welcher Lebensgeschichte sie zu ihm kommen.
  • Ein homosexuelles Paar aus München brachte die Segnung wieder „etwas näher an unseren Traum von einer Kirche für alle Menschen“.
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Es ist nur eine halbe Stunde, in der gebetet, der Musik gelauscht und gesegnet wird. Nichts Besonders also für die St.-Petronilla-Kirche in Münster-Handorf. Und doch sagen Carsten Alteepping und sein Partner, dass sie mit diesem Segnungsgottesdienst etwas näher an ihren Traum herangerückt sind. Ihr Hoffnung: „Dass sich die Kirche endlich offiziell und uneingeschränkt zu allen Menschen bekennt, die in ihr ihren christlichen Glauben leben.“

Dass es ein außergewöhnlicher Tag für die Pfarrgemeinde in Münsters Osten ist, war seit Wochen schon weithin sichtbar. Am Kirchturm hängt die Regenbogenflagge. Zum ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der bundesweiten Aktion „#liebegewinnt“ sind alle eingeladen, die ihre Partnerschaft und Liebe, egal in welcher Form, segnen lassen wollen. Homosexuelle und heterosexuelle Paare sind gekommen, auch Singles und Witwen. Etwa 20 Teilnehmer haben sich in den Bänken verteilt, coronakonform mit ausreichend Abstand.

Pfarrer: Gottesdienst ist keine Protestaktion

Gleich zu Beginn macht Pfarrer Jürgen Streuer klar, dass dieser Gottesdienst keine Protest-Aktion ist. „Wir sind hier eben nicht, weil in Rom ein Papier der Glaubenskongregation veröffentlich worden ist, sondern um den besonderen Wert und tiefen Sinn der Segnungen zu betonen.“ Die Worte „Rom“, „Papst“ oder „Vatikan“ fallen in diesem Gottesdienst kein zweites Mal. Wohl aber das Wort Liebe. Es steht im Zentrum aller Lieder und Beiträge.

„Weil Gott Liebe ist, verwehrt er niemandem seinen Segen – egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welcher sexuellen Orientierung, egal ob man allein oder gemeinsam um den Segen bittet“, sagt Streuer. Engstirnigkeit oder Angst davor kenne Gott nicht. „Er geht mit uns, so wie er uns Menschen geschaffen hat, so wie wir auf dem Lebensweg sind, egal mit wem wir unterwegs sind.“ Weil Gott ein „unendliches Interesse am Gelingen des Lebens“ habe.

Belastendes und Tragendes

Alteepping und sein Partner bei der Segnung im Seiteneingang von St. Petronilla in Münster-Handorf. | Foto: Michael Bönte
Alteepping und sein Partner bei der Segnung im Seiteneingang von St. Petronilla in Münster-Handorf. | Foto: Michael Bönte

Alteepping und sein Partner sind berührt von den Worten. Sie sitzen auf den ihnen zugewiesenen Plätzen in der erste Reihe der kleinen Dorfkirche, nicht weit entfernt von der großen Regenbogenfahne, die vom Altar herunterfließt. Zwischendurch werden sie aufgefordert, Steine und Federn in die Hand zu nehmen, die vor jedem Sitzplatz liegen. Sie sollen Anstoß sein zu Gedanken über belastende und tragende Momente in ihrer Beziehung.

Für Liebende trägt ihre Verbindung die Handschrift Gottes, sagt Pastoralreferent Hans-Dieter Sauer in seinem Impuls. „Wir erkennen darin Gott und sein Handeln.“ Eine wunderbare Zusage sei das. Eine, die nicht für Abhängigkeit oder Berechnung stehe, sondern ein bedingungsloses Geschenk sei. „Das ist das Vermächtnis Jesu an uns: Werdet endlich zu Vollstreckern und Vollendern der Liebe, indem ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.“

Segnung in der Seitentür

Der Abschluss des Gottesdienstes ist zugleich sein Höhepunkt: An vier Orten der Kirche stehen Mitglieder des Seelsorgeteams von St. Petronilla und der evangelische Pfarrer Sascha Sommershof bereit, um den Segen zu spenden. Alteepping und seinem Partner werden am Seiteneingang die Hände aufgelegt. Ein Gebet, anschließend noch ein kurzes Gespräch – dann stehen die beiden wieder vor der Kirche, an deren Fassade die Regenbogenfahne im Wind weht.

So kurz der Segnungs-Moment in der offenen Kirchentür war – flüchtig ist er für das homosexuelle Paar nicht. „Wir müssen uns damit nicht verstecken“, beschreibt der Partner von Alteepping die Ausstrahlung des Augenblicks. Er kennt die Vorbehalte gegenüber seiner Partnerschaft und ist als Mitarbeiter eines katholischen Hilfswerks noch vorsichtig, will seinen Namen nicht nennen. „Dieser Gottesdienst zeigt aber, dass die Menschen in der Kirche in ihrer Vielfalt wahrgenommen werden.“

Sie waren verletzt

Alteepping sagt, dass sie vom vatikanischen Papier zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare regelrecht verletzt worden seien. Sie, die eigentlich dachten, die Kirche sei in dieser Frage schon viel weiter.

Nach ihrer Standesamtlichen Hochzeit ließen sie sich in einer Kirche in ihrer Münchener Heimat schon einmal segnen. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass aus Rom noch einmal so ein Rückschritt kommen könnte.“ Was sie aber gerade in St. Petronilla erlebt hätten, bringe sie wieder näher an ihren Traum „einer Kirche für alle Menschen“.

Weitere Gottesdienste im Bistum

Bundesweit sind nach Veranstalter-Angaben rund 110 Segnungsgottesdienste. Allein im Bistum Münster luden mehr als 20 Kirchen dazu ein - so in Ahaus, Ahaus-Ottenstein, Ahaus-Wessum, Beckum, Coesfeld, Datteln, Duisburg, Gangelt, Geldern, Kamp-Lintfort, Lohne, an weiteren fünf Orten in Münster, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen, Rheine und Warendorf.

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