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"Pop-Kaplan" aus Geldern über Gottesdienst für homosexuelle und heterosexuelle Paare

#liebegewinnt: Warum Christian Olding zu Segnungsfeiern einlädt

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Christian Olding ist Pfarrer in St. Maria Magdalena in Geldern. Die Pfarrei beteiligt sich mit einem Gottesdienst an der bundesweiten Kampagne „Liebe gewinnt“, die zu Segnungsgottesdiensten am 10. Mai einlädt. Der Anlass ist das Verbot solcher Segnungsfeiern für homosexuelle Paare, die der Vatikan jüngst erneuert hat. Aus organisatorischen Gründen wird die Segnungsfeier in Geldern bereits am Donnerstag, den 6. Mai um 19 Uhr in der Veerter Kirche St. Martin stattfinden. Im Interview erläutert Olding seine Motivation.

Herr Olding, wie sieht der „Segnungsgottesdienst für Liebende“ in der Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena aus?

Zusammen mit Pfarrer Heiner Dresen haben wir die Segnungsfeier als Wortgottesdienst geplant und werden dabei ein deutliches Gewicht auf die Einzelsegnung der Paare legen. Eingeladen haben wir heterosexuelle, homosexuelle, verheiratete, unverheiratete, geschiedene und wiederverheiratete Paare. Uns war es wichtig, hier keine exklusive Feier für gleichgeschlechtliche Paare zu initiieren, sondern der Lebenswirklichkeit Rechnung zu tragen, dass sich verbindliche Liebeswege heutzutage in vielfältigen Lebensformen abbilden.

Gibt es Bedarf für ein solches Angebot in Ihrer Pfarrgemeinde?

Der Bedarf erklärt sich zumindest für mich dadurch, wenn ich allein an die homosexuellen Paare denke, die in den vergangenen Jahren bei mir nach einem Segen gefragt haben. Für den aktuellen Segnungsgottesdienst haben sich bislang über 30 Paare angemeldet, sodass wir aktuell mit einer Warteliste arbeiten müssen. Aufgrund der Corona-Situation können nicht alle Paare in der Kirche Platz finden. Viele E-Mails sind bei uns eingegangen. Es haben sich neben gleichgeschlechtlichen Paaren auch geschiedene und wiederverheiratete gemeldet, unverheiratete und ganz ‚klassische‘ heterosexuelle Paare, die seit vielen Jahren miteinander verheiratet sind.

Welche Rolle spielt Protest gegen die Haltung des Vatikans zu Segnungsfeiern?

Gerade den heterosexuellen Paaren geht es neben dem Segen für ihre Ehe um ein deutliches Zeichen der Solidarität mit den homosexuellen Paaren. Genau das ist auch uns wichtig. Wir sehen den Gottesdienst nicht als Protestaktion. Er ist ein solches Zeichen der Solidarität. Er ist ferner eine Erinnerung an die Kirche, nicht den Bezug zur Vielfalt der Lebensrealitäten zu verlieren, die sie eigentlich begleiten soll. Eine Protestaktion würde in diesem Fall Menschen zum Zweck machen, und das widerspricht dem Segensanliegen. Ein Protest wird es höchstens dadurch, dass der Vatikan ein Thema für ausdiskutiert erklärt, das es aber ganz offensichtlich noch nicht ist.

Was denken die Menschen in der Pfarrei und in Geldern darüber?

Innerhalb des Seelsorgeteams gab es keine strittige Diskussion darüber, ob solch ein Segnungsgottesdienst sein darf. Auch vonseiten der Gemeindemitglieder gab es ganz im Gegenteil viel Unterstützung. Lediglich per E-Mail ging die ein oder andere Stimme ein, die allerdings mit so viel aufgeladener Emotion und Verachtung formuliert wurde, dass eine sinnvolle Diskussion nicht möglich war.

Was stört Sie genau an den Aussagen der vatikanischen Glaubenskongregation zum Verbot der Segnung homosexueller Paare?

Was mich tief erschüttert hat, ist die Formulierung: "Die Kirche kann keine Sünde segnen." Das ist ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die einen Großteil ihres Lebens um ihre persönliche Identität, Selbstakzeptanz, ihre Lebens- und Liebesform ringen mussten. Es verletzt nicht nur zutiefst diejenigen, die die Kirche ohnehin aus ihrem Leben gestrichen haben, sondern vor allem die, die trotz aller Nacken- und Tiefschläge an dieser Gemeinschaft festhalten. Das kann ich nicht akzeptieren.

Was sagen Sie zu dem Argument, Segensfeiern könnten mit dem Sakrament der Ehe verwechselt werden?

Natürlich wird diese Frage immer wieder von gleichgeschlechtlichen Paaren gestellt: Warum kann unsere Beziehung keinen sakramentalen Charakter haben? Es geht dabei in den Gesprächen, die ich bisher geführt habe, weniger um die Gleichsetzung mit der Ehe. Schließlich ist den homosexuellen Paaren bewusst, dass es da Unterschiede zu einer heterosexuellen Beziehung gibt. Es geht vielmehr darum, gleichgeschlechtlicher Liebe nicht abzusprechen, dass auch sie eine Vergegenwärtigung und ein Ort real erfahrbarer Liebe Gottes ist. In dieser Diskussion wäre es vielleicht gut, daran zu erinnern, dass die katholische Kirche Zeiten erlebt hat, in denen es mehr als nur sieben Sakramente gab. Vielleicht ist ja die Diversität von Gesellschaft eine Herausforderung, an diese alte Vielfalt in neuer Weise anzuknüpfen?

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