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Lexikon des Judentums (11)

Tefillin, Tallit und Kippa - Jüdische Gebetssymbolik

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Wissen ist das beste Mittel gegen Vorurteile und Antisemitismus. Zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erläutert diese Serie Begriffe jüdischen Glaubens – diesmal von Ludger Hiepel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Aus den Texten, die zum Schma Jisrael (im letzten Artikel des „Jüdischen Lexikons“ vorgestellt) gehören, leitet sich auch das Gebot und der Brauch ab, dass Männer zum Morgengebet an den Werktagen Gebetsriemen anlegen: „Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden“ (Dtn 6,8).

Diese Gebetsriemen heißen Tefillin, abgeleitet von „tefilla“, das mit „Gebet“ übersetzt wird. Die Tefillin bestehen aus schwarzen Lederriemen und einer ebenfalls schwarzen Gebetskapsel, welche die Form eines Würfels hat. In der Kapsel befinden sich Pergamente mit vier Textabschnitten. Neben zwei Texten aus dem Schma Jisrael sind es noch zwei weitere aus dem Buch Exodus, die ebenfalls das Anlegen von Tefillin vorschreiben.

Gebetsschal Tallit zum Morgengebet

Beim Morgengebet werden die Tefillin am linken Arm und auf der Stirn getragen. Nach jüdischem Brauch wird der Mittelfinger dreimal, die Handfläche einmal, der Unterarm siebenmal und der Oberarm zweimal mit dem Lederreimen umwickelt und die Kapsel auf Höhe des Herzens befestigt. Die Tefillin verbinden somit Herz, Hand und Kopf.

Der Gebetsschal Tallit wird beim Morgengebet getragen. Der Tallit ist ein rechteckiges Tuch aus Wolle, Baumwolle, Leinen oder Seide. Mischgewebe aus tierischen und pflanzlichen Produkten dürfen nicht verwendet werden, da sie die Tora verbietet.

Der weiße oder cremefarbene Schal ist oft mit blauen oder schwarzen Streifen verzieht. Entsprechend der Tora sollen alle rechteckigen Gewänder speziell geknotete Quasten beziehungsweise Schaufäden an ihren Enden haben. Auch dieses Gebot leitet sich aus einem Text des Schma Jisrael ab.

Biblische Zahlensymbolik

Die Quasten heißen hebräisch Zizijot (Plural). Im Buch Numeri wird erklärt: „Und dazu sollen die Quasten euch dienen: sooft ihr sie anseht, sollt ihr an alle Gebote des Herrn denken und sie tun, dass ihr euch nicht von eurem Herzen noch von euren Augen verführen lasst und abgöttisch werdet, damit ihr an alle meine Gebote denkt und sie tut, dass ihr heilig seid eurem Gott“ (Num 15,39–40).

Der Zahlenwert des hebräischen Wortes Zizit (Singular) ergibt 600. Eine Quaste besteht aus acht Fäden mit fünf Verknotungen. Die Summe dieser Zahlen (600+8+5) entspricht damit der Anzahl der traditionellen Gebote, an die die Quasten erinnern sollen: 613.

Kippa setzt sich in der Neuzeit durch

Während sich die hier vorgestellten Kleidungsstücke und Symbole als Gebot aus der Tora ableiten, ist die Kippa weder in der hebräischen Bibel noch im Talmud vorgeschrieben. Im Talmud wird eine Kopfbedeckung für Männer lediglich als Möglichkeit genannt. Erst in der Neuzeit hat sich der Brauch eine Kippa zu tragen, durchgesetzt.

Die Kippa, eine kleine runde Kappe, die gehäkelt oder aus Stoff, Samt oder Leder gefertigt und individuell gestaltet sein kann, bedeckt den Hinterkopf und soll Ehrfurcht und Demut gegenüber Gott ausdrücken. Heute gibt es auch immer mehr Frauen, die eine Kippa als Zeichen der Emanzipation tragen.

Der Autor
Ludger Hiepel

Ludger Hiepel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich neben dem Alten Testament und der Altorientalistik auch immer wieder mit dem Judentum. | Foto: Stephan Kube

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