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Lexikon des Judentums (15)

Rosch HaSchana – süßes Neues Jahr 5782!

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Wissen ist das beste Mittel gegen Vorurteile und Antisemitismus. Zum Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erläutert diese Serie Begriffe jüdischen Glaubens – diesmal von Ludger Hiepel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Rosch HaSchana, wörtlich „Kopf des Jahres“, ist das jüdische Neujahrsfest. Es wird zwei Tage lang am 1. und 2. Tischri gefeiert – 2021 ist das der Abend vom 6. bis zum Abend des 8. September. Nach jüdischem Kalender beginnt das Jahr 5782. Mit dem Herbstbeginn und dem neuen Jahr werden auch die „zehn Bußtage“ eröffnet, die mit Jom Kippur, dem Versöhnungstag (nächster Artikel), enden.

Am Neujahrsfest gedenkt Gott seiner Schöpfung und bestimmt das Los jedes Menschen. Daher wird Rosch HaSchana auch als „Tag des Gerichts“ und „Tag der Herrschaft Gottes“ bezeichnet. Laut Talmud werden von Gott drei Bücher geöffnet, welche die Menschen in drei Kategorien einteilen: „Zaddikim“, die vollkommen Gerechten, die sofort ins Buch des Lebens eingeschrieben werden; „Rascha’im“, die vollkommen Bösen, die vom Buch des Lebens ausgeschlossen werden; „Benonim“, die Mittelmäßigen, denen für zehn Tage, also bis zum Versöhnungstag, eine letzte Chance zu Buße und Reue gegeben wird.

Schofar wird geblasen

Man lässt das vergangene Jahr Revue passieren. Daher gilt Neujahr auch als „Tag der Erinnerung“. Diese Erinnerung und Reflexion dient dazu, aus Fehlern zu lernen und das neue Jahr positiv zu gestalten.

Zu Neujahr wird traditionell das Schofar, ein Widderhorn, geblasen. Es soll die Gläubigen an ihre moralischen Pflichten erinnern und ruft zu Buße und Besserung auf. Deshalb heißt es auch „Tag des Schofars“.

In vielen Gemeinden ist es Brauch, die Synagoge für den Neujahrsgottesdienst besonders feierlich zu gestalten. Die Farbe Weiß drückt dabei die Erhabenheit des Tages aus. Der Vorhang vor dem Toraschrank, die Decke auf dem Lesepult und die Kleidung der Vorbetenden sind weiß.

Fisch wird als Speise gereicht

Alle jüdischen Feste haben ihre Symbole und Zeichen (hebräisch: „Simanim“). Zu den symbolischen Speisen an Rosch HaSchana gehört zum Beispiel „gefillte Fisch“, ein mit Fisch gefüllter Karpfen, als ein Symbol für Fruchtbarkeit. Dazu wird rund ge­wickeltes Weißbrot gereicht, das den Jahreskreislauf symbolisiert. Ein Fischkopf auf der Tafel versinnbildlicht, dass man am Anfang, am Kopf, eines neuen Jahres und nicht am Ende, am Schwanz, ist.

Um den Wunsch nach einem „süßen Jahr“ voller Segen und Fülle zum Ausdruck zu bringen, ist es Brauch, in Honig eingetauchte Apfelstücke zu essen. Man verschenkt und isst Granatäpfel. Der Granatapfel ist ein Symbol der Vollkommenheit. Es heißt, dass der perfekte Granatapfel 613 Kerne enthält – so viele Kerne, wie die Tora Gebote hat.

In das Buch des Lebens einschreiben

Verschiedene Früchte und Gemüse, die beim Essen gereicht werden, erinnern mit ihren Namen an verschiedene Verben. Zum Beispiel erinnert „Kürbis“ an „lesen“. Der dazugehörige Segenspruch lautet: „Möge es dein Wille sein, dass unser schlechtes Urteil zerrissen wird und stattdessen unsere Verdienste vorgelesen werden“.

Mit den hebräischen Worten „schana tova (u’metuka)“ wünscht man sich „ein gutes (und süßes) Jahr“ oder man sagt „leschana towa tikkatew“, was übersetzt heißt: „Zu einem guten Jahr mögest Du (in das Buch des Lebens) eingeschrieben sein!“

Der Autor
Ludger Hiepel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich neben dem Alten Testament und der Altorientalistik auch immer wieder mit dem Judentum. | Foto: Stephan Kube
Ludger Hiepel ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Zeit- und Religionsgeschichte des Alten Testaments der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich neben dem Alten Testament und der Altorientalistik auch immer wieder mit dem Judentum. | Foto: Stephan Kube

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