Themenwoche „Ideen gegen den Pflegenotstand“ (1): Auszubildende im Gespräch

Was angehende Pflegefachkräfte motiviert

  • Volle Ausbildungskurse verzeichnet das Caritas-Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit in Rheine.
  • Wir haben drei angehende Pflegekräfte gefragt, was sie antreibt.
  • Die Fachkraft-Suche erfolgt inzwischen international.

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Wer eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert, hat beste Chancen auf Übernahme und kann sich seine Arbeitgeber aussuchen. „Unsere Perspektiven sind gut. Das wissen wir. Wir lieben unseren Beruf und freuen uns über eine gute Ausbildung“, sagt Marek Androvic und findet für seine Worte die Zustimmung bei Nina Nowak und Anica Schynoll.

Die drei künftigen Pflegefachkräfte sind im zweiten Ausbildungsjahr und haben im Caritas-Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit in Rheine ihren theoretischen und fachpraktischen Unterricht. Der Großteil der praktischen Ausbildung findet beim Ausbildungsträger statt. Weitere Einsätze werden in der stationären Langzeitpflege, in der ambulanten Pflegestation und im Krankenhaus sein.

"Arbeite gern mit älteren Menschen"

Marek Androvic stammt aus der Slowakei und lebt seit acht Jahren in Deutschland. Der 30-Jährige hat über Freunde, die im Krankenhaus arbeiten, den Weg zur Pflegeausbildung gefunden. „Ich arbeite gern mit älteren Menschen. Ich bin mit meiner Oma und meinem Opa aufgewachsen. Ich denke, dass ich gute Beziehungen zu alten Menschen aufbauen kann“, sagt er.

Androvic, der in seinem Heimatland eine Ausbildung zum Buchhalter machte, möchte auch in Deutschland bleiben: „Ich habe mit der Sprache kein Problem und hier schon viele Freunde gewonnen. Die Pflege ist mein Ding.“

Beruflicher Neustart mit 37 Jahren

Beruflich neu durchstarten wird auch Anica Schynoll. Die gelernte Tierarzthelferin, die neun Jahre in diesem Beruf gearbeitet hat und vier Jahre im Einzelhandel tätig war, kann sich nichts anderes mehr vorstellen, als in der Pflege zu arbeiten: „Die Ausbildung macht mir Freude“, sagt die 37-Jährige. Sie kommt gebürtig aus Zeitz in Sachsen-Anhalt und ist im Münsterland heimisch geworden.

Ihre Ausbildung macht sie im Betreuungszentrum St. Arnold in Neuenkirchen, einer Facheinrichtung mit 59 Plätzen für ‚Junge Pflege‘ und mit 31 Plätzen für die Reha-Phase für Apalliker, Langzeitbeatmete und mit Trachealkanülen versorgte Bewohner.

Pflege des eigenen Großvaters erlebt

Die Arbeit mit jüngeren pflegebedürftigen Menschen empfindet Schynoll als Berufung. „Ich kann mir eigentlich keinen anderen Beruf mehr vorstellen“, sagt sie. Sie denke darüber nach, später im Bereich der Palliativpflege zu arbeiten.

Aus Neuenkirchen im Kreis Steinfurt stammt Nina Nowak (20). Sie hat die häusliche Pflege ihres Großvaters erlebt. „Nach meinem Schulabschluss stand für mich fest, eine Pflegeausbildung zu machen. Man lernt viel. Der Umgang mit alten Menschen liegt mir.“

Ausbildung in Theorie und Praxis

Dass das theoretische Wissen gut gelernt wird, dafür sorgt unter anderem Anna Zywitzki, Lehrkraft im Caritas-Bildungszentrum für Pflege und Gesundheit. Die 33-Jährige machte nach ihrem Abitur die Ausbildung zur Altenpflegerin, arbeitete in der Pflegedienstleitung und absolviert derzeit ein berufsbegleitendes Studium der Pflegepädagogik. „Theoretisches Wissen und die Praxis gehen Hand in Hand. Es gibt also keinen Frontalunterricht.“

Wie seit Jahren sind auch die am 1. April 2023 startenden Ausbildungskurse des Caritas-Bildungszentrums, das mit rund 140 Kooperationspartnern im Münsterland, im Emsland und im Osnabrücker Land zusammenarbeitet, ausgebucht. Etwa 80 Prozent der beginnenden Auszubildenden hätten Migrationshintergrund, sagt die Leiterin des Caritas-Bildungszentrums, Petra Berger.

Kontakt mit Agenturen im Ausland

Das Bildungszentrum stelle sich der Herausforderung, global nach ausländischen Pflegekräften Ausschau zu halten und diese auf einen Beruf in Deutschland vorzubereiten. Kooperationen gebe es mit Agenturen in Marokko, Vietnam und Madagaskar.

„Der Bedarf an Pflegefachkräften steigt. Auch wenn in Deutschland viele Pflegefachkräfte ausgebildet werden, wird deren Zahl vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nicht ausreichen, um den Pflegebedarf abzudecken“, sagt Berger.

Anerkennung von Abschlüssen

Viele stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen entschieden sich daher, Pflegefachkräfte aus dem Ausland zu akquirieren. Um ausländische Pflegekräfte beschäftigen zu können, müssten diese vom Landesprüfungsamt anerkannt werden.

„Dazu ergeht je nach Herkunftsland ein Bescheid über die Teilnahme an so genannten Anpassungsmaßnahmen“, sagt Berger. Entsprechende Anpassungslehrgänge biete das Caritas-Bildungszentrum für Gesundheit und Pflege in Rheine an. Nach Abschluss ständen die Teilnehmenden dem Arbeitsmarkt als anerkannte Fachkräfte zur Verfügung.

Neuer Berufsabschluss Pflegefachassistenz

Bereits gut angelaufen sind auch die Kurse für die Pflegefachassistenz. Die Regelungen für die einjährige Pflegefachassistenzausbildung sind in Nord­rhein-Westfalen Anfang 2021 in Kraft getreten.

Die landesrechtlich geregelte Pflegefachassistenzausbildung bietet insbesondere auch für langjährig angelernte, motivierte Assistenzkräfte in der Pflege die Möglichkeit, sich bereits erworbene Kompetenzen anrechnen zu lassen. Zielgruppe sind beispielsweise berufserfahrene Frauen, die aufgrund ihrer familiären Situation keine Möglichkeit hatten, eine Ausbildung zu absolvieren.

Aktuell befinden sich im Caritas-Bildungszentrum Rheine 201 Pflegefachkräfte in der Ausbildung. Hinzu kommen 21 Pflegefachassistenten und 29 Teilnehmende zur Externenprüfung zur Pflegefachassis­tenz. Der Kurs der Kenntnisprüfung für ausländische Pflegefachkräfte umfasst 31 Teilnehmende.