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Kommentar von Michael Rottmann zur Zukunft der Pflege

Was nach dem Klatschen dran ist

Als Corona am schlimmsten war, haben wir öffentlich für die Pflegenden geklatscht. Heute diskutieren wir über Bundesliga und Mega-Konzerte. Doch beim Applaus von den Balkonen darf es nicht bleiben, sagt Michael Rottmann in seinem Kommentar. 

Als Corona am schlimmsten war, haben wir an sie gedacht: Die Pflegerinnen und Pfleger in Krankenhäusern und Altenheimen. Aus Respekt haben wir ihnen öffentlich applaudiert. Heute diskutieren wir über die Bundesliga und Mega-Konzerte. Doch beim Applaus von den Balkonen darf es nicht bleiben, sagt Michael Rottmann in seinem Kommentar. 

Denken Sie auch manchmal über Ihre Zukunft nach? Vielleicht ist die ja auch schon Ihre Gegenwart. Ich meine die Zeit, in der Sie ohne fremde Hilfe nicht mehr klarkommen. Weil niemand sonst morgens Ihren Blutzucker kontrollieren, Ihnen ihre Stützstrümpfe anlegen oder ihre Tabletten sortieren kann.

Egal wie unbeschwert die Gegenwart im Moment noch daherkommt – gehen Sie fest davon aus: Eines Tages klopft diese Zukunft bei fast jedem von uns an. Die Frage ist nur: Wird dann noch jemand für uns da sein?

Schlecht bezahlte Knochenjobs schrecken ab

Nicht erst seit der Corona-Krise ist klar, wie unverzichtbar Pflegerinnen und Pfleger für unser Leben sind – und wie rar. Dabei brauchen wir sie heute und in Zukunft noch mehr. Manche Politiker haben das mittlerweile erkannt, zusätzliche Stellen geschaffen und weitere in Aussicht gestellt. Das ist gut, aber es reicht nicht.

Nur, wenn das Berufsbild Pflege attraktiver wird, entscheiden sich  auch wieder mehr junge Leute dafür. Die Aussicht auf schlecht bezahlte Knochenjobs in unterbesetzten Stationen schreckt sie eher ab.

Deshalb ist es längst Zeit für eine Kurskorrektur, höchste Zeit sogar.

Attraktivere Pflegeberufe, das bedeutet zum Beispiel: besser bezahlt, mit verlässlicheren Arbeitsbedingungen und -zeiten, interessanten beruflichen Perspektiven.
Umsonst ist das alles nicht zu haben. Aber das sollte es uns wert sein.

Wir diskutieren längst wieder über anderes

Gerade die ersten Wochen der Corona-Krise haben einer  breiten Öffentlichkeit die Brisanz des Themas bewusst gemacht. Doch seit die Lage sich etwas entspannt hat, seit wir wieder über Bundesliga oder Mega-Konzerte diskutieren konnten, ist es erneut in den Hintergrund gerückt. Leider.

Wir haben für sie geklascht und gesungen. Aber wertschätzender Applaus und Lieder vom Balkon sind letzlich nur wohlfeile Streichelheinheiten. Jetzt muss sich schnell etwas ändern, auch wenn es kostet.

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