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Unter dem Leitwort „Leben im Sterben“ Aktionen vom 17. bis 24. April

„Woche für das Leben“: Kirchen werben für Sterbebegleitung

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Die „Woche für das Leben“ 2021 nimmt ein kontrovers diskutiertes Thema in den Blick: die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

Immer mehr westliche Staaten liberalisieren die Sterbehilfe. Im März hat Spanien aktive Sterbehilfe erlaubt - als weltweit fünftes Land nach den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Kanada. Im ebenfalls katholisch geprägten Portugal, dessen Parlament im Januar die Einführung aktiver Sterbehilfe beschloss, erhob das Verfassungsgericht Einspruch.

Österreich und Deutschland gehen einen anderen Weg - sie müssen nach Urteilen ihrer obersten Gerichte die Beihilfe zum Suizid ermöglichen. In der Schweiz ist das schon seit Jahrzehnten weithin akzeptiert.

 

Das Karlsruher Urteil

 

In Deutschland kippte das Bundesverfassungsgericht im Februar 2020 nicht nur das Gesetz, das Sterbehilfevereinen das Handwerk legen sollte. Zugleich leitete es aus dem Grundgesetz ein sehr weitgehendes Recht auf selbstbestimmtes Sterben ab. Der Suizid - ein Freiheitsrecht, das der Staat nicht einschränken darf.

Die Kirchen reagieren auf diese Entwicklung: Bei ihrer ökumenischen „Woche für das Leben“ wollen sie unter dem Leitwort „Leben im Sterben“ vom 17. bis 24. April ein Signal für eine menschenwürdige Sterbebegleitung setzen.

 

Kontroversen bei den Protestanten

 

„Wir wollen noch konsequenter als bisher einen bedarfsgerechten Ausbau der palliativen und hospizlichen Begleitung sowie eine umfassende Kultur des Lebens in unserer Gesellschaft fördern“, erklären der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

Dabei gab es - innerhalb der evangelischen Kirche - durchaus Kontroversen über den Umgang mit dem Karlsruher Urteil. Führende protestantische Theologen plädierten dafür, einen assistierten professionellen Suizid auch in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen.

 

Katholische Stimmen einig

 

Die EKD distanzierte sich: Menschen, die keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung sähen, befänden sich in einer tragischen Grenzsituation, die die Kirche durch palliative Versorgung, Seelsorge, Beratung und die Arbeit der Hospize zu verhindern versuche.

Einig zeigte sich die katholische Kirche. Bischöfe und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) warnen davor, den Suizid zur regulären Option werden zu lassen. Ein subtiler Druck, dem assistierten Suizid zuzustimmen, um am Ende des Lebens anderen nicht zur Last zu fallen, sei eine große Gefahr.

 

Keine Beihilfe in katholischen Einrichtungen

 

Keine Option sehen sie in Suizidbeihilfe in kirchlichen Einrichtungen: Es müsse Schutzräume geben, in denen Alte und Kranke sicher sein könnten, dass sie nicht zur Selbsttötung gedrängt würden.

Allerdings existiert momentan quasi ein rechtsfreier Raum. Karlsruhe hat dem Bundestag allenfalls einen kleinen Spielraum für ein Schutzkonzept gelassen. Die Zeit drängt, denn im Herbst sind Bundestagswahlen.

 

Mehrere Gesetzesinitiativen

 

Derzeit gibt es mehrere Gesetzesinitiativen, das Urteil umzusetzen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat mit den Abgeordneten Katrin Helling-Plahr (FDP) und Petra Sitte (Linke) einen Gesetzentwurf vorgelegt, der „klarstellen soll, dass die Hilfe zur Selbsttötung straffrei möglich ist“ und zugleich Missbrauch verhindern soll.

Geprüft werden soll, ob ein dauerhafter „autonom gebildeter freier Wille“ zugrunde liegt. Eine verpflichtende Beratung ist vorgesehen. Grundsätzlich soll niemand zum Mitwirken am Suizid verpflichtet werden. Einen ähnlichen Vorschlag stellten Renate Künast und Katja Keul von den Grünen vor.

 

Die Rolle der Hospize

 

Möglich auch, dass das Parlament eine weitere Stärkung von Hospizen und Palliativmedizin beschließt. Von den rund 950.000 Menschen die jährlich in Deutschland sterben, befinden sich rund 30.000 zuletzt in stationären Hospizen.

Bundesweit gibt es ein Netz von rund 1.500 ambulanten Hospizdiensten, rund 250 stationären Hospizen für Erwachsene und 18 stationären Hospizen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Außerdem bestehen rund 330 Palliativstationen in Krankenhäusern und 361 Teams der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung. Mehr als 120.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich und hauptamtlich in der Hospizbewegung.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe
Menschen mit Suizidgedanken können sich an die Telefonseelsorge wenden. Sie ist unter den Rufnummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222 täglich rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und anonym. Der Anruf findet sich weder auf der Telefonrechnung noch in der Übersicht der Telefonverbindungen wieder. Es gibt auch eine E-Mail-Beratung. Der Mailverkehr läuft über die Internetseite der Telefonseelsorge und ist daher nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden. Hier geht es zur Telefonseelsorge.

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