Vor der 4. Synodalversammlung: Johanna Müller

„Worten müssen Veränderungen folgen“ - Delegierte zum Synodalen Weg

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Die vierte Synodalversammlung beginnt am 8. September in Frankfurt – mit großen Themen zur Beschlussfassung. Was erwarten, was hoffen, was befürchten Delegierte aus dem Bistum Münster? „Kirche-und-Leben.de“ hat acht von ihnen gefragt. Heute: Johanna Müller aus Harsewinkel-Marienfeld, die jüngste Delegierte der Synodalverammlung.

Welche Rolle sollte die Dauerkrise in Köln bei den Beratungen in Frankfurt spielen?

Ich denke, dass die Dauerkrise in Köln keine besondere Rolle in Frankfurt spielen sollte. Die Lage dort ist meiner Meinung nach völlig verfahren. Natürlich hat sie längst Auswirkungen auf die gesamte katholische Kirche in Deutschland. Aber die Synodalversammlung kann daran akut nichts ändern. Das Thema sollte die Versammlung oder eine Aktuelle Stunde nicht dominieren, denn es gibt zahlreiche andere wichtige(re) Themen, für die wir uns Zeit nehmen sollten und die hoffentlich nachhaltige Veränderungen nach sich ziehen können.

Bei der nächsten Synodalversammlung stehen wegweisende Beschlüsse etwa zum Zölibat, zu queerer Sexualität, womöglich zu einem dauerhaften Synodalen Rat an. Was sind bei diesen Themen Ihre Hoffnungen, was Ihre Sorgen?

Der Text aus Forum II zur Lebensform der Priester bestärkt zwar den Zölibat durch eine siebenfache Bejahung, die ich persönlich an dieser Stelle eher unpassend finde. Aber zugleich besteht die Hoffnung, dass eine Abschaffung des Pflichtzölibats angestoßen wird. Die Texte, die sich mit queerer Sexualität beschäftigen, finde ich sehr gelungen und es wäre ein starkes Zeichen, würden sie als Ergebnis des Synodalen Weges und somit als "offizielle kirchliche Texte" aus dem Reformprozess hervorgehen. Jedoch wäre es ein genauso bedeutendes Zeichen, würden sie keine Mehrheit bekommen - queere Menschen würden so abermals offensichtlichst diskriminiert. In der Einrichtung eines Synodalen Rates sehe ich große Chancen. Das würde die Gremienstruktur und auch das Dasein von ZdK und DBK auf Dauer verändern. Ich hoffe, man traut sich diesen Schritt zu gehen, um auch weiter gemeinsam zu beraten und zu entscheiden und zu beweisen, dass man es ernst meint mit der Synodalität in der katholischen Kirche in Deutschland.

Was, wenn es bei diesen Themen zu mehrheitlichen Ablehnungen durch die Bischöfe käme?

Ich kann es momentan nicht sagen. Ich sehe nur den immer größer werdenden Druck und frage mich, wie lange es noch so weitergehen wird oder weitergehen kann. Wir werden sehen, was dann passiert. Vermutlich würde es aber nicht einfacher.

Was muss für Sie am Ende der vierten Synodalversammlung stehen?

Ich hoffe natürlich, dass möglichst viele Texte mit großer Mehrheit angenommen werden. Aber bei diesen Abstimmungen darf es nicht bleiben. Mit der vierten Synodalversammlung befinden wir uns auf der Zielgeraden des Reformprozesses, den gut gemeinten Floskeln und Zustimmungen müssen wirkliche Veränderungen folgen. Am Ende der Versammlung müssen konkrete nächste Schritte stehen, die aufgrund der getroffenen Entscheidungen folgen. Vieles können die Bischöfe schon mit dem Beschluss in der Synodalversammlung beziehungsweise in der Zeit danach durch eine Selbstbindung in ihrer Diözese angehen. Diese Perspektive braucht es für mich am Ende der Versammlung und dann auch am Ende des Synodalen Wegs.