Redakteur Michael Rottmann zur aktuellen Situation

Energiearmut: Warum der Einsatz der Caritas gerade jetzt wichtig ist

Die Gas- und Strompreise spielen verrückt. Immer mehr Menschen befürchten, den Mehrbelastungen nicht mehr standhalten zu können. Gerade jetzt ist die Erfahrung der Caritas in der Beratung gefragt, kommentiert Redakteur Michael Rottmann.

Bei 30 Grad im Schatten scheint der Winter weit weg. Wenn die Sonne vom Himmel knallt, funktioniert auch das Prinzip Verdrängung recht gut. Und doch ist es wichtig, schon jetzt anzusprechen, was einer wachsenden Zahl von Menschen im Land spätestens zum Jahresende droht: Schulden, Mehrkos­ten, horrende Energie-Jahresabrechnungen. Denn die kalte Ernüchterung wird kommen. Für manchen heißt das: das dicke Ende.

Auch kirchliche Fachleute der Caritas warnen schon länger vor einer drohenden „Energiearmut“ durch rasant steigende Kosten für Strom und Gas. Weil deren Berater aus der Praxis wissen, wie eng der Gürtel mancher Menschen schon heute sitzt. Mehr geht oft nicht.

Armutsfalle droht

Senioren zum Beispiel, die ihre knappe Rente mit Grund­sicherung aufstocken, aber auch Familien, deren Alltag auf Kante genäht ist und die vor der Frage stehen werden: Wie sollen wir das bloß jetzt auch noch stemmen?

Ihnen drohe eine Armutsfalle, warnt die Caritas und beschreibt die Spaltung der Gesellschaft: auf der einen Seite diejenigen, für die Energiepreis-Inflation lediglich eine lästige Folge der Krise darstellt, und auf der anderen die, für die es um die Existenz geht.

Caritas erhebt die Stimme

Noch sind die Prognosen nur Zahlen in Rechenbeispielen. „Um das Drei- oder Vierfache könnten die Preise steigen. Vielleicht sogar um mehr“, heißt es eher vage. Manche haben ihren monatlichen Energie-Abschlag daraufhin vorsorglich bereits deutlich erhöht. Aber nicht alle können das. Sie werden angewiesen sein auf die Solidarität der stärkeren Schultern.

Die Caritas erhebt schon seit Längerem warnend und mahnend ihre Stimme. Sie kümmert sich um Betroffene, fordert Solidarität ein und macht sich bei Politikerinnen und Politikern nicht immer beliebt mit ihrem Kampf für stärkere und effektive Hilfen.

Mit ihrem an den Grundsätzen der katholischen Soziallehre orientierten Einsatz zeigt sie in einer Krise wie der jetzigen, was einer Gesellschaft ohne Kirche auch fehlen würde.