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„Die moralische Verantwortung einfach mitnehmen und gehen - das ist mir zu einfach“

Kardinal Woelki gesteht eigene Schuld ein und lehnt Rücktritt ab

  • Nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Köln lehnt Kardinal Rainer Maria Woelki (64) einen Rücktritt ab.
  • „Die moralische Verantwortung einfach mitnehmen und gehen, zum Schutz des Ansehens von Bischofsamt und Kirche - das ist mir zu einfach“, sagte er am Dienstag in Köln.
  • Gleichwohl räumte er auch persönliche Fehler ein.
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Nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Köln lehnt Kardinal Rainer Maria Woelki (64) einen Rücktritt ab. „Die moralische Verantwortung einfach mitnehmen und gehen, zum Schutz des Ansehens von Bischofsamt und Kirche - das ist mir zu einfach. Und in meinen Augen ist es auch falsch“, sagte der Erzbischof am Dienstag in Köln.

„So ein Rücktritt wäre nur ein Symbol, das nur für eine kurze Zeit hält.“ Er könne es nur aus seinem Amt heraus besser machen. „Ich werde in Zukunft alles dafür tun, dass möglichst keine Fehler mehr passieren können.“

Woelki: Hätte den Fall O. nach Rom melden sollen

Woelki gestand ein, im Umgang mit Missbrauchsfällen Schuld auf sich geladen zu haben. Zwar wisse er durch das Gutachten, dass er etwa im Fall des beschuldigten Priesters O. pflichtgemäß und rechtssicher gehandelt habe. „Aber es geht nicht nur darum, das Richtige zu tun, sondern alles Menschenmögliche zu tun. Und das habe ich nicht getan.“

Es wäre besser gewesen, wenn er denn Fall nach Rom gemeldet hätte, so Woelki. Auch in einem weiteren Fall hätte er einen beschuldigten Geistlichen schon viel früher suspendieren und sich über die Vorgaben der Glaubenskongregation in dem Fall hinwegsetzen sollen.

Was wusste Woelki als Meisner-Sekretär und Weihbischof?

Gefragt nach seiner moralischen Verantwortung als möglicher Mitwisser von Missbrauchsfällen in seiner Rolle als Geheimsekretär von Kardinal Joachim Meisner und als Kölner Weihbischof betonte Woelki, er sei damals nur wenig mit dem Thema konfrontiert worden. Als Sekretär sei er nicht mit Personalangelegenheiten befasst worden, „zumindest nicht, was Missbrauch betrifft“.

Als Weihbischof habe er zwar der Personalkonferenz angehört. Dort seien die Fälle „irgendwie thematisiert“ und „so explizit nicht behandelt worden“. Die Runde habe nur „eher verklausuliert“ erfahren, dass ein beschuldigter Priester nach Vorwürfen zu suspendieren und eine Voruntersuchung einzuleiten sei. Nie aber sei der einzelne Fall konkret vorgestellt und diskutiert worden. Generalvikar Markus Hofmann ergänzte aus seiner Erfahrung als früherer Regens in der Konferenz, dass die Beschuldigungen nie im einzelnen dargestellt worden seien.

Gesprächsangebot an jeden einzelnen Betroffenen

Jedem der im Gutachten genannten über 300 Betroffenen von sexuellem Missbrauch bot Woelki ein persönliches Gespräch an. „Kommen Sie, wenn Sie möchten, und ich will versuchen, ihnen zuzuhören.“ Er könne aber auch jeden verstehen, der nach seinen schlimmen Erfahrungen nicht mit einem Vertreter der Kirche reden wolle.

Das am Donnerstag vorgestellte Gutachten, mit dem das Erzbistum die Kanzlei Gercke-Wollschläger beauftragt hatte, zeigt auf, wie Bistumsverantwortliche mit Fällen sexualisierter Gewalt durch Priester umgingen. Die Untersuchung hält in 24 von 236 ausgewerteten Aktenvorgängen insgesamt 75 Pflichtverletzungen durch acht Amtsträger fest, darunter Erzbischöfe, Generalvikare und Personalchefs.

Zu den Beschuldigten zählen unter anderem der Hamburger Erzbischof Stefan Heße (54) sowie der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (53), die dem Papst bereits ihren Rücktritt angeboten haben, sowie der verstorbene Kölner Erzbischof Joachim Meisner. Woelki selbst wurde kein Fehlverhalten nachgewiesen.

Update 12.40 Uhr: Aussagen Woelki zu seiner Zeit als Sekretär und Weihbischof.

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