Diözesan-Geschäftsführer Slüter fordert auch staatliche Hilfe

Missbrauch: Kolpingwerk will Umgang mit Beschuldigtem aufarbeiten

  • Das Kolpingwerk im Bistum Münster will den eigenen Umgang mit dem Missbrauchsbeschuldigten Franz N. aufarbeiten.
  • Es sei davon auszugehen, dass Verantwortliche vom Missbrauch gewusst haben, erklärte Geschäftsführer Uwe Slüter.
  • Franz N. soll unter anderem Kinder im Kinderheim Vinzenzwerk in Münster-Handorf missbraucht haben.

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie für das Bistum Münster will das katholische Kolpingwerk den eigenen Umgang mit einem früheren Missbrauchsbeschuldigten aufarbeiten. „Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass Missbrauch, zumindest in bestimmten kirchlichen und verbandlichen Ebenen, bekannt gewesen sein muss“, erklärte der Geschäftsführer des Diözesanverbandes, Uwe Slüter, am Dienstag in Münster. „Missbrauch ist Menschenvergehen, für Täter wie für Schweigende.“ Für die Zukunft sei es maßgeblich, dieses Versagen aufzuarbeiten.

Forschende der Universität Münster hatten am 13. Juni die Aufarbeitungsstudie zu sexueller Gewalt durch Geistliche in der Diözese veröffentlicht. Darin beschreiben sie auch den Fall des inzwischen verstorbenen Priesters Franz N., der Ende der 1960er Jahre in hoher Position für das Kolpingwerk tätig war. Während dieser Zeit soll er sich – wie bereits zuvor – an Minderjährigen vergangen haben. Viele Taten hätten sich im Zusammenhang mit seiner ehrenamtlichen Arbeit in einem Kinderheim zugetragen.

Franz N. nach Auszeit wieder in Pfarreien tätig

Anfang der 1970er Jahre wurden dem Bistum Münster laut Studie Anschuldigungen gegen den Priester bekannt. Der Geistliche habe eine mehrwöchige Auszeit genommen und sei dann wieder in Pfarreien eingesetzt worden, wo es zu weiterem Missbrauch gekommen sei.

Den Forschenden zufolge waren die Vorwürfe vermutlich mehreren Bistumsverantwortlichen und weiteren Personen bekannt, etwa den Ordensschwestern im Kinderheim Vinzenzwerk in Münster-Handorf und einer Haushälterin des Priesters. Nachdem 2010 die Presse über den Fall berichtet hatte, untersagte Bischof Felix Genn dem Geistlichen die Ausübung der priesterlichen Dienste. Der Vatikan verzichtete wegen einer Demenzerkrankung des Geistlichen auf weitere Schritte. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen wegen Verjährung ein.

Wegschauen und Schweigen

Uwe Slüter
Diözesan-Geschäftsführer Uwe Slüter fordert ein Ende des Klerikalismus. | Foto: pd

„Wir werden wohl davon ausgehen müssen, dass auch Verantwortliche auf verschiedenen Ebenen des Diözesanverbandes durch Schweigen und Wegschauen Missbrauch begünstigt haben“, erklärte Kolpingwerk-Geschäftsführer Slüter. Der Sozialverband forderte die Einrichtung einer staatlichen Aufarbeitungskommission und ein Ende des Klerikalismus. „Die vielfach von Geweihten selbst als auch durch Christen empfundene Unantastbarkeit gegenüber Priestern muss einem Bürgerpflichts-Denken weichen“, so das Kolpingwerk. Es stellte sich hinter den Maßnahmenkatalog, den Genn nach Vorstellung der Studie bekannt gegeben hatte.