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Leiter der Missbrauchs-Studie für das Bistum Münster im Video-Interview

Missbrauchs-Gutachten: Großbölting kritisiert Macht von Priestern

Missbrauchs-Gutachten für das Bistum Münster: Großbölting kritisiert Macht von Priestern. | Video: Michael Bönte und Marie-Theres Himstedt
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Knapp drei Jahre hat ein Forscherteam um den Historiker Thomas Großbölting den Umgang des Bistums Münster mit Missbrauch von 1946 bis 2020 erforscht. Nach der Vorstellung des Gutachtens hat „Kirche-und-Leben.de“ mit ihm über die wichtigsten Erkenntnisse gesprochen.

Herr Professor Großbölting, was sind für Sie die drei wichtigsten Erkenntnisse Ihres Gutachtens?

Es gibt Hinweise, die bestätigen, was auch andere Gutachten schon erarbeitet haben. Unser Spezifikum ist, dass wir auf der einen Seite zeigen konnten, wie kontinuierlich und wie weit verbreitet der Missbrauch an sich ist, aber auch die Vertuschung. Wir haben zudem zeigen können, wie systematisch die Bistumsleitung auch im Bistum Münster bis 2002/2003 mit einigen Einschränkungen auch weiter diesen Missbrauch vertuscht hat. Und wir haben zeigen können, wie stark diese Missbrauchsgeschehen wie auch das Vertuschen in die katholische Selbstbeschreibung, in die katholische Pastoral und in die Kommunikation unter Katholikinnen und Katholiken eingebettet ist.

Was sehen Sie als spezifisch für das Bistum Münster im Umgang mit Missbrauch an?

Wir haben es hier mit einem Flächenbistum mit vielen Katholikinnen und Katholiken zu tun. Wir gehen davon aus, dass die Sagbarkeitsgrenzen, die Scham insbesondere gegenüber Priestern, solche Geschehen zu besprechen und damit zu stoppen, besonders groß gewesen ist, weil wir im Bistum Münster verschiedene Zentren des katholischen Milieus haben, wo die katholische Lebenswelt besonders dicht war. 

Welche Konsequenzen aus Ihrem Gutachten erwarten Sie vom Bistum Münster?

Ich halte mich - wie meine Kolleginnen und Kollegen auch - mit Konsequenzen zurück. Wir sind Historiker, wir blicken zunächst in die Vergangenheit. Und trotzdem gibt es natürlich die Punkte, die wir als besonders sensibel herausgearbeitet haben: Es gibt Fortschritte im Bereich der Prävention, es gibt Fortschritte im Bereich der kirchenrechtlichen Regularien und Verfahrensweisen, wie man mit sexuellem Missbrauch im Bistum umgeht. Aber es gibt noch keine Diskussion darum, wie kirchliches Selbstverständnis und vor allem die Stellung des "heiligen Mannes", des Priesters mit einer besonders ausgestatteten Pastoralmacht, eben auch Missbrauch ermöglicht und Vertuschung begünstigt hat.

Das gesamte Missbrauchs-Gutachten der Historiker-Kommission der Universität Münster ist hier zu finden.

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