Interview vor der Abreise zu den ersten Gesprächen in Frankfurt

Bischof Genn glaubt nicht an Kirchenspaltung durch Synodalen Weg

Bischof Felix Genn im Interview. | Video: Michael Bönte
Bischof Felix Genn im Interview. | Video: Michael Bönte

Bischof Felix Genn glaubt nicht an eine Spaltung der Kirche in Deutschland durch den Synodalen Weg. Er fahre gespannt zum ersten Treffen in Frankfurt, sagte der Bischof kurz vor seiner Abreise. Denn er wisse nicht, wie hoch das Vertrauen oder das Misstrauen sei. Er habe aber große Zuversicht, dass es ein gutes Miteinander geben werde.

Herr Bischof, mit welchen Hoffnungen reisen Sie zu den ersten Gesprächen des Synodalen Wegs?

Ich gehe mit einer gewissen Anspannung, denn wir kennen uns ja nicht – außer den einzelnen Gruppen, die sich da begegnen werden. Ich weiß natürlich auch nicht, was dabei herauskommt, wie hoch das Vertrauen ist, wie hoch das Misstrauen ist, wie stark die konfliktiven Situationen sich auswirken, die ja alle da sind. Aber letztlich bin ich von der Zuversicht getragen, dass wir in einem guten Miteinander als Christinnen und Christen einen Weg finden werden.

Sie unterstützen die Idee einer kirchlichen Verwaltungsgerichtsbarkeit, der sich auch Bischöfe unterordnen müssten. Wie realistisch ist dieses Anliegen?

Das ist eine Frage, die nicht unmittelbar im Synodalen Weg zur Diskussion kommt, weil es dafür eine eigene Arbeitsgruppe gibt unter der Leitung des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick. Er hat jetzt beim Ständigen Rat aller Diözesanbischöfe seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das im Lauf dieses Jahres wirklich so vorgelegt werden könnte, dass wir darüber abstimmen.

Teilen Sie die Sorge, der Synodale Weg könnte die Kirche in Deutschland spalten?

Ich kann diese Sorge verstehen, weil manches sich auch aufputscht. Aber ich bin der sicheren Überzeugung – und deshalb habe ich von Zuversicht gesprochen –, dass das ja nicht automatisch so kommen muss. Wenn wir ernsthaft miteinander ringen und uns nicht übervorteilen und überfordern, im Heiligen Geist – und das ist die Realität, mit der wir als Glaubende durchaus rechnen müssen – einen gemeinsamen Weg finden werden, der uns zu einer großen Einmütigkeit bringen wird.