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Bischöfliche Arbeitsgruppe fordert weitreichendes Umdenken

"Corona-Infektionen in Schlachthöfen durch sklavereiähnliche Praktiken“

Angesichts massenhafter Corona-Infektionen in mehreren Schlachthöfen kritisiert die bischöfliche Arbeitsgruppe Menschenhandel „sklavereiähnliche Praktiken“ in der Fleischbranche.

Angesichts massenhafter Corona-Infektionen in mehreren Schlachthöfen kritisiert die bischöfliche Arbeitsgruppe Menschenhandel „sklavereiähnliche Praktiken“ in der Fleischbranche. „Die ausbeuterischen Beschäftigungsverhältnisse in der Fleischindustrie sind ein Skandal“, betonte der Leiter des Gremiums, der Kölner Weihbischof Ansgar Puff, am Samstag auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz. Mitten in Deutschland würden Menschen aus Osteuropa „als billige Arbeitskräfte missbraucht und in menschenunwürdigen Behausungen untergebracht“.

Weiter heißt es in der Erklärung des Weihbischofs: „Faulen Tricks zur Umgehung des Mindestlohns, mangelnden Arbeitsschutzmaßnahmen und überfüllten Unterkünften muss nun dringend politisch ein Riegel vorgeschoben werden.“ Jeder, dem an Menschenwürde und Solidarität gelegen sei, müsse sich fragen lassen, ob sein Konsum das Ergebnis von Ausbeutung sei, fügte Puff hinzu. „Uns muss bewusst sein, dass unser Konsumverhalten Einfluss auf Arbeitsbedingungen und Löhne hat“, so der stellvertretende Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz weiter.

Corona legt katastrophale Situation offen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) schrieb am Samstag auf Twitter: „Wir werden #Tierhaltung umbauen, den Landwirten helfen.“ Notwendig seien „faire Arbeitsbedingungen, faire Preise, die den Wert wiedergeben“. Zuvor hatte sie erklärt, das Thema Schlachthöfe gehöre eingebettet „in die Nutztierstrategie - es geht um Qualität vom Stall bis an die Theke“.

Puff äußerte in der Erklärung, zwar hätten immer wieder Stimmen auf „die desaströsen Bedingungen“ hingewiesen und es habe auch Reaktionen des Gesetzgebers gegeben. Doch vor den Corona-Fällen in den Schlachthöfen habe das Thema in der breiten Öffentlichkeit kaum jemanden interessiert. „Es war für viele einfach zu bequem, die Augen zu verschließen“, unterstrich der Weihbischof. Daher habe es am gesellschaftlichen Willen gefehlt, „ein auf Ausbeutung basierendes Geschäftsmodell wirksam zu durchbrechen“. Papst Franziskus habe Wirtschaftsformen, die den Menschen letztlich zum Gebrauchsgegenstand herabstuften, immer wieder als unchristlich gebrandmarkt.

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