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Predigt des Bischofs am Tag der Großen Prozession in Münster

Genn über Corona, Flüchtlinge und die Lebensmittelindustrie

Zur gesellschaftlichen Positionierung hat Bischof Felix Genn die Predigt am Tag der Großen Prozession in Münster genutzt. Genn äußerte sich zu Corona, zur Suizidbeihilfe, zu Flüchtlingen und zu Zuständen in der Lebensmittelindustrie.

Zur gesellschaftspolitischen Positionierung hat Bischof Felix Genn die Predigt am Tag der Großen Prozession in Münster genutzt. Genn äußerte sich zur Corona-Pandemie, zur Suizidbeihilfe, zum Umgang mit Flüchtlingen und zu den Zuständen in der Lebensmittelindustrie.

Wegen der Corona-Infektionsgefahr fiel die Prozession, die auf ein Gelübde von Kirche und Bürgerschaft nach einem Pestausbruch in Münster 1382 zurückgeht, diesmal aus; einen Gottesdienst feierten die Gläubigen im Dom. Genn betonte, das Gebet „um die Bewahrung vor dem Virus“ dürfe nicht fehlen. Gleiches gelte für das Gebet für die Erkrankten, ihre Helfer, die Verstorbenen und für jene, die an einem Impfstoff forschen.

Der Bischof äußerte sich erfreut über „unerwartet große Solidarität“, die sich in der Pandemie in der Gesellschaft gezeigt habe. Zugleich bedauerte er die Einsamkeit vieler Menschen infolge der mehrwöchigen Kontakteinschränkungen.

Änderungen beim Konsum angemahnt

Genn sagte, es gebe „viele Menschen, die einfach nur Angst haben“. Dabei sei die Lage in Deutschland viel besser als anderswo: „Wir haben nicht nur genug zu essen; wir haben auch in der Krise die Auswahl zwischen 18 verschiedenen Sorten Hundefutter sowie 26 Sorten Handcreme.“

Angesichts der nach Corona-Ausbrüchen in den Blick geratenen Zustände in der Lebensmittelindustrie sprach der Bischof von einem gesellschaftlichen Problem: „Hier stimmt etwas nicht!“ Er rief zu verändertem Handeln auf – beim persönlichen Einkaufen, in der Gesetzgebung und Kontrolle. Von den Arbeitgebern verlangte er Verbesserungen bei „Menschenwürde und Arbeitsbedingungen“.

„Menschen in Not nicht zu helfen, ist nicht christlich“

Ferner mahnte Genn, trotz eigener Sorgen „die noch viel größere Not der Flüchtlinge und Asylsuchenden“ nicht zu vergessen: „Menschen in Not nicht zu helfen, ist nicht christlich.“ Wer Hilfe verweigere, verteidige nicht das christliche Abendland, sondern schaffe es ab. Der Bischof beklagte zudem einen Missbrauch der Sprache durch „völkisches Reden“.

Katastrophal nannte er die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, das Verbot der Suizidbeihilfe zu verwerfen. Das Urteil entspreche „nicht dem christlichen Menschenbild. Hier ist unser Zeugnis gefragt, dass das Leben vom Anfang bis zum Ende unbedingten Schutz braucht.“

„Autonomie des Menschen nicht gegen sein Leben ausspielen“

Die Autonomie des Menschen dürfe nicht gegen sein Leben ausgespielt werden. Menschen seien am Anfang des Lebens klein und verletzlich gewesen, so Genn. Das würden sie auch am Lebensende sein.

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