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Ein Besuch auf einem Friedhof in der Eifel

Gräber weggespült, Grabsteine zerborsten: Hochwasser verwüstet Friedhöfe

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Die letzte Ruhe währte nicht ewig: Ein Besuch auf dem Friedhof in Schleiden-Gemünd in der Eifel, den das Hochwasser eines nahen Flüsschens verwüstet hat.

"In stiller Trauer" steht auf einer mit verkrustetem Schlamm verschmutzten Engelsfigur auf dem Friedhof in Schleiden-Gemünd in der Eifel. Still ist es wieder, wie es auf einem Friedhof sein sollte. Zu hören ist nur das Rauschen des Flüsschens Olef, das am 14. Juli zum reißenden Strom wurde. Die Flut hat den Ort und mit ihm den Friedhof verwüstet - wie viele andere Orte im Süden Nordrhein-Westfalens und im nördlichen Rheinland-Pfalz.

Jemand hat Putten, Herzen und Grableuchten an einer Stelle gesammelt. Zu welchem Grab sie gehörten, kann niemand mehr sagen. Ganze Gräber wurden weggespült, zerborstene Grabsteine liegen herum. Ein Grabstein mit den Namen eines Ehepaars - Maria und Josef - liegt an der Uferkante der Olef.

Offene Grabstellen

Manche Grabstellen sind offen. Was mit den menschlichen Überresten darin geschehen ist - unklar. Überall Scherben und weggeschwemmte Grableuchten mit trübgewordenem Glas.

Oksana Langlitz wandert vorsichtig über den Friedhof, sie setzt ihre Schritte behutsam, um nicht aus Versehen auf Gräber zu treten, die nicht mehr erkennbar sind. "Ich war direkt am Morgen, nachdem die Flut kam, hier", erzählt sie. "Ich war die erste hier, ich musste durch knietiefes Wasser waten, aber ich musste unbedingt zu meinem Sohn." Dennis starb im letzten Jahr im Alter von 20 Jahren unerwartet.

Das Holzkreuz fand die Mutter wieder

Sie fand das Grab, indem sie sich an zwei großen Bäumen orientierte. Unter angeschwemmter Pappe fand sie die Stelle. Eigentlich sollte das Grab endlich einen Grabstein bekommen. "Doch der Steinmetz-Betrieb, der den Stein gemacht hat, ist selbst überschwemmt."

Die Mutter hat das Grab des Sohnes wieder mit angespülten Steinen aus dem Fluss eingefasst, hat sogar schon wieder Blumen gepflanzt. Das Holzkreuz mit dem Namen ihres Sohnes hat sie irgendwo in den Trümmern gefunden.

Bundeswehr half beim Aufräumen

Vereinzelt sind Menschen auf dem Friedhof unterwegs, um sich um Gräber zu kümmern, nachdem sie Wohnhäuser trockengelegt haben. Familie Langlitz hatte Glück im Unglück. Nur ihr Hauskeller war betroffen. Der ist mittlerweile ausgeräumt und trocknet.

"Hier sah es wie nach einem Bombeneinschlag aus", erzählt Langlitz. Die Bundeswehr half beim Aufräumen des Friedhofs, aber um die kaputten Gräber darf sich die Armee nicht kümmern. Das ist Sache der Stadtverwaltung.

Im Katastrophengebiet kaum Beisetzungen möglich

Auch andere Friedhöfe wurden von der Flut schwer verwüstet, sagt Christian Jäger, Geschäftsführer der Bestatterverbände Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Friedhöfe im besonders betroffenen Ahrtal sind zerstört. Dort können nirgendwo Bestattungen stattfinden, auch weil viele Bestatter selbst vom Hochwasser betroffen sind. Abgesehen von den oberirdischen Schäden sei oft noch unklar, welche Wege das Wasser unterhalb der Anlagen gesucht hat, sagt Jäger.

Im Kreis Euskirchen und im Rhein-Erft-Kreis seien alle beteiligten Stellen dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. "Wir brauchen jetzt erst einmal ein komplettes Bild aller Schäden auf den Friedhöfen. Dann erst können wir planen, in welcher Reihenfolge die Friedhöfe wiederhergestellt werden", sagt Jäger. "Im Moment hat die Rettung der Lebenden Priorität. Nichtsdestotrotz müssen aber auch die Verstorbenen beigesetzt werden."

Wann bestattet werden kann, ist unsicher

Bislang starben mehr als 170 Menschen durch das Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz. Wann sie bestattet werden können, ist unsicher.

"Weil viele Tote noch nicht identifiziert werden konnten, rechnen wir mit einer Verlängerung der Bestattungsfristen", sagt Jäger. Eine Beisetzung in anderen Orten oder im Nachbarkreis sei zwar möglich. "Wenn Verstorbene die letzte Ruhe an einem entfernten Ort finden sollen, ist das für die Angehörigen aber sehr belastend."

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