Aktion „Maria 2.0“ in Münster wehrt sich gegen Missbrauch und Ausgrenzung von Frauen

Katholische Frauen rufen zum Kirchenstreik auf

Zu einem „Kirchenstreik“ vom 11. bis 18. Mai rufen engagierte Frauen aus der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster auf. „Anlass ist das Grauen des Missbrauchs, das immer mehr sichtbar wird, und die andauernde Ausgrenzung von Frauen in der Kirche“, sagt Elisabeth Kötter von der Initiative „Maria 2.0“ aus der Heilig-Kreuz-Gemeinde im Gespräch mit  „Kirche-und-Leben.de“.

Während des Kirchenstreiks sollen sich möglichst viele Frauen vor den Kirchentüren versammeln und keinen Dienst in den Gotteshäusern verrichten. Damit wolle man zeigen, wie Frauen das kirchliche Leben prägen. Auch die Gottesdienste sollen draußen stattfinden. Mit weißen Betttüchern, bemalt oder geknotet, wollen die Aktivistinnen ihre Forderungen kreativ kundtun. „Wir sind noch in der Phase der Planungen“, sagt Andrea Voß-Frick vom Aktions-Kreis. „Frauen werden durch kirchliche Hierarchien und Strukturen draußen gehalten. Das wollen wir draußen spürbar machen.“

Tosender Beifall in der Gemeinde

Eingeladen seien auch Männer, die sich solidarisieren wollen. Auch der Pfarrer stehe hinter dem Anliegen, erklärte Voß-Frick. „Der Aufruf richtet sich zudem an alle, die unter der Kirche leiden und ausgetreten sind“, ergänzt Kötter. Die Bewegung hat alle Pfarreien in Münster angeschrieben, sich am Streik zu beteiligen.

Auf ihrer Facebook-Seite und am Wochenende in der Gemeinde haben die Frauen zudem Unterschriften für einen Offenen Brief an Papst Franziskus gesammelt. „In den Gottesdiensten haben wir für unser Engagement tosenden Beifall bekommen“, ist Kötter beeindruckt. Der Brief soll dem Papst anlässlich des Sondergipfels in Rom zum Thema Missbrauch Ende Februar zugeleitet werden.

Ein Brief für Papst Franziskus

In dem Schreiben klagt die Gruppe die „vielen Missbrauchsfälle und Verletzungen“ an und „deren Vertuschung und Verdunkelung durch Amtsträger“. Sie fordert einen umfassenden Neuanfang: Zugang von Frauen zu allen Ämtern, der Aufhebung des Pflichtzölibats und eine Ausrichtung der Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit der Menschen. „Viele von uns spüren, dass es fünf vor zwölf ist. Die Kirche sollte diejenigen, die mit dem Herzen dabei sind, nicht auch noch verlieren“, mahnt Voß-Frick.

„Die Bezeichnung ‚Maria 2.0‘ haben wir bewusst gewählt“, so Kötter. „Maria hat das Bild der Frau über Jahrhunderte geprägt als schweigende, leidende und jungfräuliche Mutter. Wir wollen sie vom Sockel holen und einen Neuanfang machen“, sagt die Aktivistin. Inzwischen bekommt die Initiative über ihren Facebook-Account immer mehr Zulauf.