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Kardinalsstaatsekretär Parolin fürchtet Ausweitung des Krieges

Ukraine: Vatikan bietet Vermittlung an – Russische Orthodoxie stützt Putin

  • Der Vatikan fordert mit Nachdruck ein Ende der Kämpfe in der Ukraine und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.
  • Der Heilige Stuhl sei bereit, Russland und die Ukraine bei diesem Dialog zu unterstützen, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.
  • Die Spitze der russischen orthodoxen Kirche steht derweil an der Seite von Präsident Wladimir Putin.
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Der Vatikan fordert mit Nachdruck ein Ende der Kämpfe in der Ukraine und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Der Heilige Stuhl sei bereit, Russland und die Ukraine bei diesem Dialog zu unterstützen, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in einem Interview mit vier italienischen Tageszeitungen.

„Wir müssen jede Eskalation vermeiden, den Krieg beenden und verhandeln“, so die „Nummer 2“ des Vatikans. Er sei überzeugt, dass es immer noch und immer wieder Verhandlungsspielraum gebe.

Parolin äußerte sich sehr besorgt über eine Ausweitung des Konflikts in Europa: „Das wäre eine Katastrophe gigantischen Ausmaßes, auch wenn sie leider nicht völlig ausgeschlossen werden kann.“ Es habe zuletzt Äußerungen gegeben, die an Ereignisse erinnerten, die dem Zweiten Weltkrieg vorausgingen und ihn auslösten. Darum müsse der militärische Angriff „sofort gestoppt werden", sagte der Kardinalstaatssekretär im Gespräch mit „La Stampa“, „La Repubblica“, „Il Messaggero“ und „Corriere della Sera“.

Marx an Patriarch Kyrill: Sprechen Sie mit Putin!

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx appellierte an den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I., sich bei Wladimir Putin für Frieden einzusetzen. „Ich bitte inständig den Patriarchen von Moskau, dass er Einfluss nimmt auf diesen Präsidenten, damit der Krieg beendet wird“, sagte Marx bei einem ukrainisch-katholischen Gottesdienst in München.

Bischöfe seien keine Politiker, so Marx. „Aber wir haben den Auftrag und die Pflicht, das Evangelium vom Frieden zu verkünden gerade denen gegenüber, die meinen, mit Gewalt und Terror politische Ziele durchzusetzen.“

Kyrill: Gegner Russlands „Kräfte des Bösen“

Kyrill I. bezeichnete die Gegner Russlands derweil als „Kräfte des Bösen“. „Wir dürfen uns nicht von dunklen und feindlichen äußeren Kräften verhöhnen lassen“, betonte er in einer Sonntagspredigt, deren Manuskript auf der Internetseite der Kirche veröffentlicht ist.

Angesichts der „gegenwärtigen politischen Situation“ in der Ukraine müsse alles getan werden, „um den Frieden zwischen unseren Völkern zu bewahren und gleichzeitig unsere gemeinsame historische Heimat vor allen Handlungen von außen zu schützen, die diese Einheit zerstören können“.

Die Kirchen in der Ukraine

60 Prozent der rund 41 Millionen Ukrainer sind orthodoxe Christen, sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der zum Moskauer Patriarchat Kyrills I. gehörenden, „autonomen“ Ukrainischen Orthodoxen Kirche unter Leitung von Metropolit Onufri und der Ende 2018 gegründeten eigenständigen „Orthodoxen Kirche der Ukraine“ (OKU) unter Führung des Metropoliten Epiphanius.

Die OKU entstand 2018 aus dem 1992 gegründeten Kiewer Patriarchat und der 1921 ins Leben gerufenen „Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche“. Die OKU gehört zum Patriarchat Konstantinopel und wird vom Moskauer Patriarchat nicht anerkannt.

Update 1. März, 12.15 Uhr: Die zum Moskauer Patriarchat gehörende Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK) hat von Russlands Präsident Putin einen sofortigen Stopp des „Bruderkriegs“ gefordert. In einer Erklärung bekräftigte die Kirchenleitung, der Heilige Synod, die „staatliche Souveränität und territoriale Integrität“ der Ukraine.

Die UOK appellierte an Kyrill I., von Putin die unverzügliche Einstellung der Feindseligkeiten einzufordern. Der Patriarch hat bisher zwar mit allgemeinen Worten das „Unglück“ in der Ukraine bedauert, aber nicht die Worte „Angriff“ oder „Krieg“ gebraucht.

„Mit Trauer und Schmerz erleben wir den Krieg, der in unser ukrainisches Heimatland gekommen ist“, heißt es in der Erklärung der russlandfreundlichen UOK. Die „generelle Alarmbereitschaft für Atomwaffen“ stelle zudem die zukünftige Existenz der Menschheit und der Welt insgesamt in Frage, mahnt die Kirchenleitung mit Blick auf eine Ankündigung Putins.

Gottesdienste im Bunker
In Kiew sind nach den Worten von Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk am Sonntag griechisch-katholische Gottesdienste in Schutzräumen gefeiert worden. „Unsere Priester werden in den Untergrund hinabsteigen, sie werden in die Luftschutzkeller hinabsteigen und dort die Göttliche Liturgie feiern. Die Kirche ist bei ihrem Volk“, betonte er in einer Videobotschaft. In der mehrheitlich orthodoxen Ukraine ist etwa jeder zehnte Einwohner griechisch-katholisch. | KNA

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