Familienbund der Katholiken: Geplante Kindergrundsicherung richtiger Schritt

Kinderarmut in Deutschland: Jedes fünfte Kind laut Bericht gefährdet

  • Mehr als jedes fünfte Kind unter 18 Jahren war einer Analyse zufolge 2021 in Deutschland von Armut bedroht.
  • Bei Menschen zwischen 18 und 25 Jahren ist es sogar etwa jeder Vierte.
  • Verbände fordern eine Erhöhung der Leistungen für Kinder.

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Mehr als jedes fünfte Kind unter 18 Jahren war einer Analyse zufolge 2021 in Deutschland von Armut bedroht. Es handelt sich um 2,88 Millionen Mädchen und Jungen, teilt die Bertelsmann-Stiftung mit.

"Wer als junger Mensch in Armut aufwächst, leidet täglich unter Mangel, Verzicht und Scham und hat zugleich deutlich schlechtere Zukunftschancen", sagte Bertelsmann-Expertin Anette Stein. Die Stiftung warnte, die derzeitigen Preissteigerungen verschärften das Problem.

Wer als armutsgefährdet gilt

In der Auswertung gelten Kinder und Jugendliche als armutsgefährdet, wenn ihre Familie über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens verfügt. Zudem gibt laut Stiftung der Anteil der Kinder in Haushalten, die Sozialleistungen beziehen, Hinweise zum Armutsrisiko.

Diese Gruppe sei zum ersten Mal seit fünf Jahren deutlich gewachsen, so die Auswertung unter Verweis auf Daten von Juni 2022. Vergangenen Sommer hätten rund 1,9 Millionen Minderjährige in Haushalten mit Sozialleistungen gelebt.

Große regionale Unterschiede

Die Zunahme sei vor allem auf die aus der Ukraine geflüchteten Kinder und Jugendlichen zurückzuführen, erklärte die Stiftung. Zudem gebe es starke regionale Unterschiede: Während im bayerischen Roth die Quote der betroffenen Kinder bei drei Prozent lag, waren es im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen 42 Prozent. Insgesamt gesehen sind der Analyse zufolge Kinder mit alleinerziehenden Eltern sowie mit zwei und mehr Geschwistern überdurchschnittlich von Armut betroffen.

Neben den Minderjährigen sind zudem 1,55 Millionen junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren von Armut bedroht. Das entspricht etwa jedem Vierten in dieser Altersgruppe, die somit das höchste Armutsrisiko aller Altersgruppen aufweist.

Das sagt der Familienbund der Katholiken

Der Familienbund der Katholiken erklärte, die mit der geplanten Kindergrundsicherung verfolgten Ziele der Bündelung und Erhöhung von Leistungen, der vereinfachten, digitalen Beantragung und der Entbürokratisierung seien richtige Maßnahmen. Jetzt komme es auf die Ausgestaltung an, sagte Präsident Ulrich Hoffmann.

Dabei sei die Höhe der Kindergrundsicherung so zu bestimmen, dass es jeder Familie möglich ist, ihre Existenz zu sichern und den Kindern hinreichende soziale Teilhabe zu ermöglichen. Wenn die Unterstützung nicht ausreiche, schwinde auch das Vertrauen in Gesellschaft und Demokratie.

Forderungen weiterer Verbände

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte eine sofortige Anhebung der Grundsicherungsleistungen um mindestens 200 Euro im Monat. "Kinderarmut ist kein Schicksal, sondern Resultat jahrzehntelanger politischer Unterlassungen", kritisierte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Der Sozialverband Deutschland forderte mehr kostenlose Ganztags-Kinderbetreuung. "Kinderarmut betrifft vor allem Alleinerziehende, gefolgt von Mehrkindfamilien", sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke-Gruppe. "Wir brauchen mehr kostenlose Ganztags-Kinderbetreuung von der Kita bis zum Hort."