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Interview über die Gestaltung des "Spar- und Strategieprozesses"

Bistum Münster: Auch die Verwaltung wird stark sparen

32,7 Millionen Euro will das Bistum Münster bis 2025 einsparen. Einzelheiten dazu wurden gestern in einer gemeinsamen Sitzung von Kirchensteuerrat und Diözesanrat in Münster bekannt gegeben. Wie soll dieser Prozess gestaltet werden? Finanzchef Ulrich Hörsting und Frank Vormweg, verantwortlich für zentrale Aufgaben im Generalvikariat, geben im Gespräch mit "Kirche-und-Leben.de" Antworten.

Herr Hörsting, Herr Vormweg, Sie haben dem Diözesanrat und dem Kirchensteuerrat Ihre Pläne für Sparmaßnahmen vorgestellt. Was waren Ihre Kriterien?

Ulrich Hörsting: Es geht darum, wer wie leistungsfähig ist, wo wir Einsparungen vornehmen können, ohne sofort an die Grundsubstanz des jeweiligen Handlungsfeldes zu gehen. Wir haben einen langen Sparprozess vor uns, der sich nach den ersten Schritten bis 2025 noch einmal deutlich verschärfen wird. Dennoch wollen wir jetzt die Zeit nutzen, um zu ausgeglichenen Haushalten zu kommen und langfristige Strukturüberlegungen in Ruhe angehen zu können.

Frank Vormweg: Ganz praktisch geht es im Blick auf das Sparen in der Bistumsverwaltung um die großen Posten in den jeweiligen Hauptabteilungen: Was ist da möglich an sinnvollen Sparbeiträgen? Die Handlungsfelder dürfen auch nicht über Gebühr belastet werden. Darüber hinaus müssen wir mit dem Dilemma klarkommen, kurzfristig sparen zu müssen, ohne damit schon langfristig strategische Vorentscheidungen zu treffen.

Hörsting: Die größten Zuweisungsempfänger sind die Kirchengemeinden. Sie machen 54 Prozent der Aufwendungen in unserem Haushalt aus. Die auf den ersten Blick vergleichsweise hohen Summen, die wir hier sparen möchten, verteilen sich auf viele. Zudem muss man im Blick haben, dass die Schlüsselzuweisungen an die Kirchengemeinden von der Katholikenzahl und der Immobilienfläche abhängen. Wenn die Zahl der Katholiken zurückgeht und wenn auch die Fläche der kirchlichen Immobilien sinken wird, ergibt sich automatisch, dass auch die Schlüsselzuweisungen sinken werden. So kommt es zu der Summe der Einsparungen in den Kirchengemeinden. 

Wenn es weniger Geld für die Gemeinden und die mittlere Ebene geben soll – wie sieht es mit der oberen Ebene aus, etwa dem Bischöflichen Generalvikariat aus? Was wird da gespart?

Vormweg: In der Tat verlangen wir Opfer nicht nur von den Zuweisungsempfängern. Auch wir im Generalvikariat erbringen deutliche Sparleistungen, etwa mit Blick auf Personal und Organisation.

Was heißt das konkret?

Ulrich HörstingUlrich Hörsting ist Leiter der Hauptabteilung Verwaltung im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: pbm

Hörsting: Im Generalvikariat haben wir in einem ersten Schritt Stellen festgelegt, die wir künftig nicht wiederbesetzen. Dieses Personal wird sozialverträglich und durch natürliche Fluktuation abgebaut, also dadurch, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand gehen. Wir werden darüber hinaus auch dort, wo wir bestimmte Aufgaben nicht mehr oder nicht mehr in dem Maß aufrecht erhalten wollen, Mitarbeitende bitten, andere Aufgaben im Generalvikariat zu übernehmen. 

Von welcher Größenordnung sprechen wir?

Hörsting: Es geht in einem ers­ten Schritt um 34 Stellen, die wir festgelegt haben. Darüber hinaus gibt es Organisationsuntersuchungen, aus denen der Wegfall weiterer Stellen hervorgehen kann. 

34 Stellen von wie vielen Stellen insgesamt?

Hörsting: Der Bezug wären in diesem Fall die 530 Mitarbeitenden in der Verwaltung hier in Münster.

Vormweg: Wir sparen im Generalvikariat aber nicht nur durch einen Personalabbau. Wir sparen in allen Hauptabteilungen, sei es durch Reduzierungen bei den Sachkosten oder auch durch Veränderungen in der Organisationsstruktur. Hier stehen wir noch am Anfang, weil Organisationsveränderungen meist auch mit strategischen Entscheidungen zusammenhängen. Unsere Botschaft auch in das Bistum hinein ist sehr eindeutig: Wir sparen nicht nur bei den Zuweisungsempfängern, sondern werden auch stark in der Bistumsverwaltung selbst sparen.

Sie haben betont, Ihre Vorlage sei eine Diskussionsgrundlage, und Sie laden zur Beteiligung ein. Wie wird das konkret aussehen? 

Hörsting: Kirchensteuerrat und Diözesanrat beraten den Bischof, der Kirchensteuerrat muss sogar den Haushalt des Bistums verabschieden. Insofern haben wir die Gelegenheit gegeben, jede einzelne Sparmaßnahme, die wir als Verwaltung vorschlagen, auch zu kommentieren. Letztlich aber ist die Gesamtsumme der Einsparungen in Höhe von 32,7 Millionen Euro vorgegeben, die müssen wir bis 2025 erreichen. 

Es soll Expertengruppen geben, die weiter beraten sollen. Was machen die?

Frank VormwegFrank Vormweg ist Leiter der Hauptabteilung Zentrale Aufgaben im Bischöflichen Generalvikariat Münster. | Foto: pbm

Vormweg: Zunächst stellen wir uns fünf Expertengruppen in den Bereichen Medien, Bildung, mittlere Ebene, Verbändefinanzierung und Pastoralentwicklung vor. Weitere Gruppen werden sicher hinzukommen. In den Gruppen kommen Mitarbeitende des Generalvikariats und der betroffenen Einrichtungen, möglicherweise auch ehrenamtliche Vorstände, zusammen, um verschiedene Szenarien mit Blick auf das jeweilige Handlungsfeld durchzuspielen. Die Gruppen werden vom Generalvikar formal benannt und von einem oder einer Mitarbeitenden  des Generalvikariats geleitet. Es handelt sich also um einen dialogischen Prozess unter Beteiligung der Betroffenen. Und dennoch wird der Prozess in manchen Fällen schmerzhaft sein und zu deutlichen Einschnitten führen.

Hörsting: Dabei geht es einerseits um die kurzfristigen Einsparziele – die genannten 32,7 Millionen Euro –, aber auch um langfristige Strategien darüber hinaus, um funktionsfähige Einrichtungen und eine gute Zukunft in diesen Bereichen zu gewährleisten. 

Was soll am Ende dabei herauskommen?

Vormweg: Das Ergebnis kann beispielsweise eine Antwort auf eine ganz konkrete Frage sein. Nehmen wir einmal beispielhaft die Familienbildung: Durch welche Maßnahmen ist es möglich, den Einsparbetrag sinnvoll in allen 27 Familienbildungsstätten zu erreichen? Und wie geht es nach 2025 weiter, wenn – wie eine Studie zeigt – eine weitere Reduzierung der Kirchensteuereinnahmen auf uns zukommt? Welche Szenarien sind denkbar, wenn wir von der Prämisse ausgehen, dass Familienbildung auch künftig  zu unserem Grundauftrag gehört? Wie kann eine gute Zukunft der Familienbildung in unserem Bistum zum Wohl der Familien auch nach 2025 mit weniger finanziellen Mitteln aussehen? Solche Fragen sollen die Expertengruppen behandeln und verschiedene Szenarien entwerfen, denn anders als im kurzfris­tigen Prozess bis 2025 gibt es für die Zeit danach ja noch keine fixen finanziellen Vorgaben, was in diesem oder jenem Handlungsfeld eingespart werden soll. Generell setzt der Spar- und Strategieprozess aber auch an dem Prozess im Diözesanrat zu Prioritäten und Posterioritäten an. 

Geht es dabei nur um Strukturen und Strategien, oder auch um Zahlen und darum, wie die Einsparmaßnahmen konkret umgesetzt werden?

Hörsting: Für die kurzfristige Strategie bekommen die Expertengruppen natürlich eine Vorgabe, sonst wäre es Makulatur, von bestimmten Einsparvorgaben auszugehen. Langfristig wird man diese Vorgaben, wie von Herrn Vormweg schon gesagt, noch klären müssen. Das bedarf zunächst der Beratung im Generalvikariat.

Vormweg: Und doch wird es ein dialogischer Prozess sein, der die Vielfalt von Meinungen einbeziehen muss. Auch unser Kirchenbild ist ja keine reine Vorgabe, sondern es geht auch darum, was den Menschen als Kirche wichtig ist.

Hörsting: Dabei wird es bedeutsam sein, den Blick nicht zu eng zu fassen. Das Bistum muss auch für unerwartete Entwicklungen gewappnet sein. Wenn wir uns nur in eine Burg zurückziehen, uns auf einen Aufgabenkanon fixieren und alles darüber Hinausgehende von vornherein ausschließen, dann ist das zu eng gedacht. Da braucht es Offenheit.

Wie geht es konkret weiter?

Hörsting: Uns ist es wichtig, dass der Prozess möglichst transparent abläuft. Zugleich müssen die jeweiligen Rollen klar sein: Wo gibt es Partizipation? Wer trifft aufgrund welcher Beratungen und Empfehlungen welche Entscheidungen? Wir werden nun die Mitarbeitenden und auch die  Mitarbeitervertretung informieren. Die Verwaltung wird die Beschlüsse der gemeinsamen Sitzung von Diözesanrat und Kirchensteuerrat umsetzen und bei den nächsten Haushaltsplanungen im Blick haben müssen. 

Vormweg: Zudem werden wir alle Expertengruppen besetzen und in den Gruppen starten. Im Frühjahr 2021 werden wir im Diözesanrat berichten und bei der nächsten gemeinsamen Sitzung von Diözesanrat und Kirchensteuerrat im Herbst 2021 einen ersten Zwischenstand geben. Der Gesamtprozess der Expertengruppen ist für 18 Monate geplant und geht letztlich über mehrere Jahre. Wir müssen dabei darauf achten, dass wir uns nicht im Ungefähren verlieren, sondern klare Entscheidungen vorbereiten, die sich in reduzierten Haushaltsvorlagen niederschlagen.
 

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