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Engagierte Diskussion über Strategieprozess im Diözesan- und Kirchensteuerrat

Bistum Münster will 32,7 Millionen Euro bis 2025 sparen

  • Bis 2025 müssen im Bistum im Vergleich zum Haushaltsplan 2020 Einsparungen in Höhe von 32,7 Millionen Euro erreicht werden.
  • Im Bischöflichen Generalvikariat werden 34 von 530 Stellen nicht nachbesetzt.
  • Die Schlüsselzuweisungen an die Kirchengemeinden sinken bis 2025 um 4,8 Millionen.

Verantwortliche aus der Bistumsverwaltung haben bei einer gemeinsamen Sitzung des Diözesanrates und des Kirchensteuerrates in Münster konkrete Einsparvorschläge vorgestellt. Die Gremien sprachen sich dafür aus, den Spar- und Strategieprozess fortzusetzen, der für das Jahr 2025 strukturelle Einsparungen von 32,7 Millionen Euro im Vergleich zum Haushaltsplan 2020 vorsieht. Um Beschlüsse über Haushaltsposten ging es bei der gemeinsamen Versammlung allerdings nicht, da allein der Kirchensteuerrat dazu befugt ist.

Der Haushaltsplan 2020 geht von Ausgaben von 676,9 Millionen Euro aus. Die drohenden Haushaltsdefizite, die sich aus dem Rückgang der Zahl der Katholiken und damit der Kirchensteuereinnahmen ergeben werden, sollen durch Einsparungen im Personal- und Sachkostenbereich ausgeglichen werden. Dabei soll der Personalabbau sozial verträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen gestaltet werden. Die Corona-Pandemie hat derzeit keinen direkten Einfluss auf den Spar- und Strategieprozess, da ein durch sie möglicherweise verursachter Fehlbetrag aus der Ausgleichsrücklage finanziert werden soll.

Im Generalvikariat werden 34 Stellen gestrichen

Frank Vormweg, Leiter Hauptabteilung Zentrale Aufgaben im Bischöflichen Generalvikariat, kündige an dass in der Bistumsverwaltung – dem Bischöflichen Generalvikariat –  bereits ab dem Herbst ein reduzierter Stellenplan gelten werde. 34 der derzeit 530 Stellen im Bischöflichen Generalvikariat in Münster, bei denen die Mitarbeitenden bis 2025 in den Ruhestand gingen, sollten nicht nachbesetzt werden. Weitere Stellenkürzungen würden in Abhängigkeit von den zu entwickelnden Strategien festgelegt.

Notwendig sei es, die Organisation der Bistumsverwaltung weiter zu entwickeln. Zugleich unterstrich Vormweg: „Das Sparen wird nicht mit dem Jahr 2025 aufhören.“ Der Spar- und Strategieprozess verbinde kurzfristige Sparbeschlüsse mit mittel- und langfristigen Strategieentscheidungen über 2025 hinaus. Die kurzfristigen Einsparungen bis 2025 sollten Zeit schaffen, um über Prioritäten und Posterioritäten für die Jahre danach zu entscheiden.

Strategie für einen nachhaltigen Haushalt

Dieser Prozess benötige mehr Zeit und Beteiligung, sagte Vormweg. Unterschiedliche Akteure würden eingebunden: Diözesanrat und Kirchensteuerrat, Einrichtungen und Pfarreien, die Mittlere Ebene im Bistum sowie Haupt- und Ehrenamtliche in unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

Notwendig seien Entscheidungen, „welche Bereiche nach 2025 gleichbleibend oder stärker, welche Bereiche weniger beziehungsweise nachrangig finanziert werden sollen.“ Die Gesamtstrategie ziele auf einen nachhaltigen, zukunftssicheren Haushalt ab und blicke auf alle Handlungsfelder der katholischen Kirche im Bistum Münster. Ab 2022 sollten für diese Felder Zukunftsaussagen getroffen werden, kündigte Vormweg an. Erste  „Expertengruppen“, die Umsetzungsmöglichkeiten für Einsparungen und weiterführende Strategien erarbeiten sollen, seien bereits gebildet oder in den Blick genommen worden. Dabei gehe es um die Aufgabenfelder Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Bildung, Mittlere Ebene, Verbände und Pastoralentwicklung.
Weniger Kirchenmitglieder und Immobilien senken die Schlüsselzuweisungen

Hörsting: 4,8 Millionen Euro weniger an Pfarreien

Finanzdirektor Ulrich Hörsting stellte Maßnahmen vor, durch die das kurzfristige Sparziel bis 2025 erreicht werden soll. Durch Personaleinsparungen im Bischöflichen Generalvikariat und im Bischöflichen Offizialat (Kirchengericht) sollen die Kosten um rund 3,8 Millionen Euro verringert werden. Auch würden die Schlüsselzuweisungen an die Pfarreien, die derzeit bei rund 98,6 Millionen Euro liegen, bis 2025 um rund 4,8 Millionen sinken. Grund sei, dass die Höhe der Schlüsselzuweisungen von der Katholikenzahl und der Immobilien-Fläche abhänge, erläuterte Hörsting.

Der Rückgang der Mitgliederzahlen schlage bei der Reduzierung der Schlüsselzuweisungen mit circa 3,8 Millionen zu Buche, der bei der Immobilien-Fläche mit einer weiteren Million Euro. Verringert werde zudem der Aufwand für die Erhaltung von Kirchen, Kapellen, Pfarrheimen, Pfarrhäusern und Dienstwohnungen um insgesamt 2,6 Millionen Euro. Derzeit investiert das Bistum hier eine Summe von 32 Millionen Euro im Jahr. Der Rückgang bei Priestern, Pastoralreferentinnen, Pastoralreferenten und Diakonen führe zu Einsparungen von rund sechs Millionen Euro. Durch die Einrichtung von multiprofessionellen Teams in den Pfarreien sei allerdings mit Personalmehrkosten von rund zwei Millionen Euro zu rechnen.

390.000 Euro weniger für Verbände

Insgesamt könne daher von Personaleinsparungen in der Pfarrseelsorge von rund vier Millionen Euro ausgegangen werden, erläuterte Hörsting. Da die Katholikenzahlen zurückgingen, werde sich auch die daran gekoppelte Zuweisung an die Kindertageseinrichtungen um drei Millionen Euro verringern. Aus dem neuen Kinderbildungsgesetz ergäben sich zudem Mehreinnahmen von 664.000 Euro.

Hörsting nannte weitere Aufgabenfelder, in denen die Kosten bis 2025 gesenkt werden sollen. So soll etwa in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums jährlich mindestens eine Million Euro  eingespart werden, in der Revision 200.000 Euro  und in den Kreisdekanaten 160.000 Euro. Die Zuweisungen an die Erwachsenenverbände sollen jährlich um 240.000 Euro und die an die Jugendverbände um 150.000 Euro verringert werden. In den Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprachen sollen die Kosten um jährlich 300.000 Euro gesenkt werden.

Weniger für Bildungseinrichtungen und Büchereien

Bei den Bildungsforen und Bildungshäusern sollen Sparziele von jährlich 750.000 Euro beziehungsweise 600.000 Euro erreicht werden. Verringert werden sollen auch die Zuweisungen an das Stiftsmuseum in Xanten - um 140.000 Euro - und an die katholischen öffentlichen Büchereien um 80.000 Euro.

Die Ortscaritasverbände sollen künftig gut eine Millionen Euro weniger im Jahr an Zuwendungen erhalten; der Diözesancaritasverband 164.000 Euro. Die Zuweisung an das Bischöfliche Studierendenwerk soll um gut 84.000 Euro verringert werden. Eine Reduzierung der Baustandards in den Schulen soll 500.000 Euro einsparen. Derzeit investiert das Bistum hier rund 15 Millionen Euro im Jahr.

Massive Einschnitte bei der Gaesdonck

Der Zuschuss an das Gymnasium Gaesdonck wird prozentual an den Anteil angepasst, den andere kirchliche, aber nicht bischöfliche, Gymnasien erhalten, und wird somit um 100.000 Euro reduziert. Das Internat auf der Gaesdonck solle nicht weiter finanziert werden, lautete ein weiterer Vorschlag; dies würde die Kosten um 468.000 Euro senken. Die IT-Kosten sollen um eine Million Euro sinken. Zudem sollen die Overhead-Kosten in der Verwaltung um weitere 750.000 Euro reduziert werden.

Die Frage, ob die vorgestellten Zahlen Beschlüsse oder Vorschläge seien, beantwortete Vormweg mit: „Beides.“ Einerseits hätten die mit Verantwortung und Kompetenz erarbeiteten Sparziele eine Verbindlichkeit. Ergäben sich jedoch Dissenzen, würden die Beschlüsse geprüft.

Kritik an Plänen für Generalvikariat

Dafür ergaben sich bei der anschließenden Diskussion einige Anlässe. So lautete beispielsweise eine Frage, ob bei dem Spar- und Strategieprozess noch genug Innovationspotenzial bleibe. „Geht es darum, zu schauen, was der liebe Gott will, oder darum, Bestände zu erhalten?“, fragte ein Pfarrer. Vormweg betonte, es sei wichtig, „erst einmal anzufangen. Dadurch gewinnen wir Zeit für weitere Überlegungen.“

Zwei deutlich kritische Wortmeldungen aus dem Kirchensteuerrat gab es zum beabsichtigten Stellenabbau im Bischöflichen Generalvikariat in Münster. Die derzeit 530 Stellen dort um 34 zu reduzieren, sei „viel zu wenig“, „nicht ambitioniert genug“ und „im Verhältnis nicht passend“.

Die Sparmaßnahmen im Hinblick auf die Bildungsforen wurden kontrovers diskutiert. Einerseits müsse kritisch die Effizienz im Hinblick auf die Kosten von Unterrichtseinheiten geprüft werden. Andererseits stelle sich bei Einrichtungen, die bereits Sparprozesse hinter sich hätten, „irgendwann die Frage nach der Existenz“.

Lohmann: Todesstoß für die Gaesdonck

Um die Existenz gehe es auch im Hinblick auf die geplanten Sparmaßnahmen beim Gymnasium und Internat Gaesdonck, sagte Weihbischof Rolf Lohmann, in dessen Region die Gaesdonck liegt. „Es würde den Todesstoß bedeuten für dieses exzellente Internat“, betonte er. Der Schulbetrieb, die Jugendarbeit und die spirituellen Angebote dort seien „hervorragend“. „Einsparungen in dieser Höhe würden bedeuten, dass wir nicht weitermachen können.“ Zu dem Thema gab der Leiter der Schulabteilung im Generalvikariat, William Middendorf, zu bedenken, dass das Angebot „zunehmend von wohlhabenden Asiaten“ genutzt werde. „Das ist nicht unbedingt unser Auftrag.“

In der Kritik stand auch die beabsichtigte Streichung der bisher praktizierten Übernahme des Trägeranteils für Kinder-Tageseinrichtungen in Trägerschaft von Ortscaritasverbänden oder Stiftungen. Die Caritas sei oft an Orten, „wo die Kirche sonst gar nicht hinkommt“, gab ein Teilnehmer zu bedenken.

Weitere Spar-Vorschläge aus den Gremien

Von Seiten des Diözesanrats und des Kirchenvorstands kamen jedoch auch Vorschläge für weitere Einsparungen. Die Idee, das Institut für Diakonat und pastorale Dienste mit dem Priesterseminar zusammenzulegen, sei ohnehin bereits beabsichtigt, bestätigte Generalvikar Klaus Winterkamp eine entsprechende Wortmeldung. Eine weitere bezog sich auf die Ausstattung der Pfarrhäuser: „Sollte nicht, wenn eine umfassende Renovierung erfolgt ist, über eine zehnjährige Sperre weiterer Maßnahmen nachgedacht werden?“, regte ein Teilnehmer an. Zudem wurde der Ruf nach „effizienteren Abläufen“ im Bischöflichen Generalvikariat laut. Generalvikar Winterkamp verwies darauf, dass man dies bereits mit Maßnahmen im Blick habe.

Eine deutliche Absage erteilte Winterkamp der in der Versammlung geäußerten Idee, die Einsparungen, die sich durch die Zusammenlegung von IDP und Priesterseminar Borromaeum ergäben, zugunsten der Jugendarbeit einzusetzen. „Wir stecken nichts von einem Pott in den anderen. Dann haben wir keinen Sparprozess“, stellte er klar. Es gehe darum, Zeit für strategische Überlegungen zu gewinnen.

Auch Bischof Genn wies darauf hin, dass das bisherige Stadium des Spar- und Strategieprozesses „ein Anfang weiterer Überlegungen“ sei. Es werde noch manche Auseinandersetzung geben. Doch er hoffe, „dass wir das in einem fairen Dialog schaffen“.

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