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Synodaler Weg - was ist das? Fragen und Antworten

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einen verbindlichen „synodalen Weg“ beschlossen.. Dazu hat sich auch Papst Franziskus in einem Brief geäußert. Doch was ist der „synodalen Weg“? Dazu Fragen und Antworten.

Wie kam es zum „synodalen Weg“?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im März 2019 im emsländischen Lingen einen „synodalen Weg“ für die katholische Kirche in Deutschland beschlossen. Damit soll der Missbrauchsskandal aufgearbeitet werden. Ausgangspunkt war die Unzufriedenheit vieler Gläubigen, wie Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz auf der Abschluss-Pressekonferenz in Lingen sagte. Er betonte, die Mehrheit der Bischöfe sehe einen Veränderungsbedarf.

Was ist mit „synodalen Weg“ gemeint?

Nach den Worten von Kardinal Marx ist eine strukturierte Debatte in einem verabredeten Zeitraum gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken vorgesehen. Marx und ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatten Anfang Juli 2019 einen ersten Fahrplan für den Reformdialog vorgestellt. Der Startschuss für die eigentlichen Reformgespräche soll Anfang Dezember zum Ersten Advent fallen. Das erste große Treffen ist für das Frühjahr 2020 geplant. Die Regeln wollen Bischofskonferenz und ZdK bis Herbst in einem Statut festlegen. Der Dialog ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Welche Inhalte sind geplant?

Es soll es unter anderem um folgende Punkte gehen:

- um die Aufarbeitung von Fällen von sexuellem Missbrauch in der Kirche und um den Missbrauch von Macht;
- um die Lebensform der Bischöfe und Priester;
- um die Sexualmoral der Kirche, die nach den Worten von Marx entscheidende Erkenntnisse aus Theologie und Humanwissenschaften noch nicht aufgenommen hat
- um Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche.

Was ist noch geplant?

Dazu sind vier Foren geplant. Alle Foren werden jeweils von einem Bischof und einem Laien geleitet. Das Forum „Macht, Parizipation, Gewaltenteilung“ verantworten Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer und ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel, das Forum „Sexualmoral“ die Vizepräsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), Birgit Mock, und Bischof Georg Bätzing aus Limburg, das Forum „Priesterliche Existenz“ der Geschäftsführer des Katholischen Verbandes für soziale Dienste in Deutschland (SKM), Stephan Buttgereit aus Haltern (Kreisdekanat Recklinghausen), und Bischof Felix Genn aus Münster, das Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ von der Theologieprofessorin Dorothea Sattler von der Universität Münster und Bischof Franz-Josef-Bode aus Osnabrück.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Einen Zwischenbericht soll es auf einer Konferenz am 13. und 14. September 2019 gehen. Dann ist vorgesehen, dass etwa 60 Teilnehmer den Fahrplan, Themenumfang und Teilnehmerkreis endgültig definieren. Der Reformprozess soll am ersten Adventssonntag 2019 starten.

Was sagt der Papst zum synodalen Weg?

Papst Franziskus hat in einem Brief vom 29. Juni 2019 an die katholischen Christen in Deutschland das Anliegen des synodalen Weges angesprochen. In dem Schreiben „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ermutigt Franziskus zum „synodalen Weg“ bei der Erneuerung der Ortskirche, mahnt aber auch die Einheit der Weltkirche an. Dem Papst sind die Akzente wichtig, daher ruft er zu einer Evangelisierung auf.

Warum gibt es einen synodalen Weg, aber keine Synode?

Von 1971 bis 1975 gab es eine gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie tagte in Würzburg und hatte das Ziel, die Verwirklichung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) zu fördern. Nach dem Kirchenrecht von 1983 (Codex iuris canonici) müsste für eine deutsche Nationalsynode ein Antrag in Rom eingereicht werden. Bis zu einer Antwort hätte es gedauert. Außerdem können aus der Sicht des Vatikans bestimmte Themen nicht angesprochen werden, weil sie in der Weltkirche geklärt werden müssten. Dazu gehören etwa Fragen der Weiheämter für Frauen und der Pflichtzölibat.

Gibt es Vorläufer des synodalen Wegs?

Von 2011 bis 2015 gab es als Reaktion auf das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche einen Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz. Dabei ging es um die Herausforderungen der Kirche. Die Bischöfe hatten jedoch von vornherein bestimmte Themen ausgeklammert, um Konflikte mit dem Vatikan zu vermeiden. Das sieht Kardinal Marx heute rückblickend als falsch an: „Das machen die Leute nicht mehr mit, da war eine große Unzufriedenheit“, sagte er in Lingen.